INFOS


Wusstest du...

PLOT

The Thing Die Fürstin der Isles ruft auf zu einem großen Thing, wo ein Verräter verurteilt werden soll. Doch der Tod des verräterischen Bojaren reisst die Grenzen zwischen Tod und Leben auf. Die ganzen Isles sind in Gefahr...

Lost Places 2.0 Ooooh, erneut rufen wir für: Geheimnisvolle Orte, verschollene Tempel, vergessene Inseln mit Sirenen, endlose Labyrinthe oder Inseln, die von allen Seelen verlassen sind - hier machen sich Abenteurer auf, ihre Mission zu lösen oder einen Schatz zu finden. Der 7. Geburtstagsplot vom Weltenwanderer.

Lost Places Geheimnisvolle Orte, verschollene Tempel, vergessene Inseln mit Sirenen, endlose Labyrinthe oder Inseln, die von allen Seelen verlassen sind - hier machen sich Abenteurer auf, ihre Mission zu lösen oder einen Schatz zu finden. Der 5. Geburtstagsplot vom Weltenwanderer.

Herzblut
"Das andere Skelett, dessen Geschichte ihr kennen solltet, ist das von Bogatyr, einem Helden der Bravenblader. Eine holde Maid mit einem Glanz in den Augen, den sonst nur Sidhe haben sollten, bat ihn um Hilfe: Sie gab ihm einen Dolch mit Namen HERZBLUT, der einst ihrem Großvater gehörte, und hatte die Macht, seinem Besitzer die Macht eines jeden Wesens zu übertragen, dass er mit einem einzigen Stich ins Herz tötete. Das Mädchen hatte mit angesehen, wie sich ihre Familie über das Erbstück zerstritt und umbrachte, nahm ihn an sich und lief mit ihm davon. Als sie den berühmten Helden gefunden hatte, flehte sie ihn an, den Dolch zu zerstören … wozu nur ein magisches Schmiedefeuer in der Burg ihres Großvaters in der Lage sei." Und so begann die Geschichte des sagenumwogenen Dolch namens Herzblut. Ein Relikt großer Macht. Und der Beginn unseres Halloweenplots 2015.

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 Wanderer

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The Thing - Intro Rós Zitat || EDITIEREN || Melden       * ^
xx

Mädchen, komm, spiel mit uns.
Es ist der Tod, tanz, tanz und hör sein Lachen.

Das Feuer am Lagerfeuer brodelte beständig. Flackernd und schon gar hypnotisch wirkten die goldenen Flammen, in deren Mitte rot glühende Zungen empor loderten. Vernichtend, bedrohend, einnehmend… Schreie mischten sich in die Flammen und als Ros den Blick hob, prangte ein blutroter Himmel über ihrem Kopf. Sie saß knietief in Knochen und Blut, ihre Hände waren feucht vom Lebensodem anderer Wesen, Menschen, Monster. Der Boden erzitterte. Mit jedem Beben näherte sich eine Gestalt, gemacht aus Knochen, geformt mit dem Fleisch der Toten, Augen so rot wie das Blut der Dahingeschiedenen und doch so lodernd, wie das Feuer, dass das einstige Paradies abbrannte.
Aber Moment: Eben war es noch ganz anders gewesen. Es waren die üppigen Büsche, hohe mächtige Bäume, die ein wahrhaft imposantes Langhaus säumten. Eines, das von dem Urwyrmling selber getragen schien. Goldene Lichter säumten die Wege, das große Feuer im Langhaus lud zum Feiern ein, die Fäßer von Honigwein und Tieefseebier flossen in Strömen, die Tische bogen sich mit den besten Braten und kulinarischen Genüssen, die die Isles und Bravenblade aufzuweisen hatten. Hier tafelten die Helden, die Krieger und Kriegerinnen, Priester, mutige Wandersleute und wagemutige Bravenblader. Hier würden sie in aller Ewigkeit das Jenseits genießen können, bewacht von den erhabenen Walkyrjas. Doch Rós hatte es gesehen. Den Einschlag der Feuersäulen. Der Tod selber, der in einem flammenden Inferno über Warakav herein brach.
Die Asche des brennenden Daches legte sich auf Rós Haar und erneut war das Erschüttern zu spüren. Das Ungetüm beugte sich über das Langhaus, riss die Flammen mit seinen knöchernen Händen zur Seite und mit seinen Knochenhänden zwei Walkyrja griff, die sich ihm entgegen stellten. Das Brechen ihrer unsterblichen Knochen war bis zu Rós zu hören.
Als eine Hand sich auf ihre Schulter legte und zwei dunkle, fast schwarze Flügel sich über ihr zum Schutz ausbreiteten. „Kehre zurück, Hexerin, noch ist nicht deine Zeit. Aber wir werden uns wieder sehen!“, raunte der Walkyr, dessen kohleschwarze Augen die Hexerin schier auslaugte mit dem Blick. Ein gellender Schrei folgte ihr und war immer noch zu hören…

… als Rós die Augen aufschlug.
Über ihr wehten einige Wolkenfetzen vor die Mondscheibe, kalt und klar standen die Sterne über ihrem Kopf. Funkelten hämisch lachend, verspotteten sie und Rós lag weit von ihrem Zelt entfernt auf kaltem steinigen Boden. Das Meer brandete und brach sich in türmenden Wellen an den hohen Klippen. Zwei schwere Stiefel traten neben sie und eine Hand streckte sich ihr entgegen. „Der Tod ist erwacht, Rós!“, sprach der Mann, auf dessen Gesicht sich das Blut seiner Feine einbrannte. Es zeugte davon, dass er manch eine bösartige Kreatur nieder gestreckt hatte, die in Bravenblade ihr Unwesen trieb. Je mächtiger das Wesen war, desto stärker zeichnete es sich in dem Gesicht von Dorksham. „Der Alte schickt mich, Rós.“ Womit Dorksham nicht den Hexenmeister meinte, sondern Bergolfur, der einer der Ältesten war und von vielen nur der Alte genannt wurde. „Pack deine Axt ein, Blaubär, wir werden heute Nacht in eine Schlacht ziehen, die womöglich keiner von uns überlebt, aber die noch Generationen von Hexern als die Glorreichste von allen bewundern werden!“ Dorksham verhakte seine Daumen in seinem Waffengurt. „Bereit, in den Kampf zu ziehen, Feuerfaust?“ Dorksham grinste kurz und hob fragend die Augenbrauen.

Als Rós ihre Augen öffnete blinzelte sie in den dunkeln, von hämisch gaffenden Sternen besetzten Nachthimmel an dem der grell leuchtende Mond zeitweilig hinter kargen Wolkenfetzen zu verschwinden drohte. Kalt und klar war die Luft, es roch nach feuchtem Grünzeug und Gestein und von weiter weg drang der Duft von gebratenem Fleisch und süßem Wein in ihre Nase, doch die Hexerin war beunruhigt.

Etwas verwirrt über die Tatsache, dass sie sich nicht mehr an ihrem Lagerplatz sondern ziemlich abseits am harten Boden befand setzte sie sich auf und verharrte in geistiger Anstrengung. Wie war sie hier wohl hergekommen? Für träumerisches Herumirren war Rós nicht bekannt. Und was war das für ein Traum? Blutrot drohte der Himmel über ihr einzustürzen, ein Meer aus Gebeinen und den Resten der Lebenden umgab ihren Körper und einem Walkyr, dem sie zu verdanken hatte, dass sie aus diesem Traum wieder erwacht war, doch war es ein Traum? Auch für hellseherische Fähigkeiten war die Hexerin nicht bekannt, doch diesmal schien alles anders. Seit der Urteilvollstreckung und der darauffolgenden Drohung bahnte sich Angst und Unmut ihren Weg durch die Gesichter der Leute, trotzdem sich alle nur zu angestrengt bemühten, ihre Zweifel zu verbergen. Auch Rós war alles andere als abgeneigt dieser Sache durchaus eine große Bedeutung und damit verbundene Gefahr zuzuschreiben, doch was genau sie nun davon halten sollte, wusste auch sie nicht.

Schwere Schritte näherten sich und bald stand Dorksham neben ihr und reichte ihr seine Hand. „Das isa wohl…“ seufzte sie und ergriff die starke Hand, die sie vom Boden hochzog. „Na, wenn der Alte dich schickt, muß es ja wichtig sein.“
Das war es auch. Sie wurde, wie viele Andere auch, zum Kampf berufen, vielleicht war es der letzte den Rós je bestreiten würde, vielleicht war es der Untergang aller, doch selbst wenn Rós die Gabe der Vorhersehung besitzen und mit dieser ihrem eigenen Untergang beiwohnen würde, würde sie nichts unversucht lassen, die Fürstin, die Menschen und das Land vor einem grausam prophezeitem Schicksal zu bewahren. Der Tod war für sie nur ein weitere Zustand, ein neuer, vielleicht sogar ganz angenehmer, doch das Leben anderer zu bewahren war ihr wichtiger als ihrem eigenen mehr Sinn zu verleihen, als den einer Hexerin.
Mit eher unwillkürlichen Bewegungen klopfte sie sich den Staub vom Hosenboden, bündelte ihr Haar zur linken Seite und packte nach Ingeborg, die knapp neben ihr am Boden weilte. „Bin bereit, gehen wir…



Feurig war der Himmel nun nicht mehr. Ganz harmlos wirkte das Funkeln der Sterne, es war eine klare Nacht. Auch wenn der Wind immer noch unablässig über Wandras Lohe pfiff. Das Meer rauschte, das Salz lag in der Luft und der Geruch nach verbrannten Lagerfeuern schwängerte sie zudem. Doch das Feiern war an diesem Tag eher schwach gewesen. Nicht so wie in den Vortagen, wo reichlich getrunken, herzhaft geflucht und sowohl gekämpft als auch geliebt wurde. Die Bravenblader waren ein robustes Volk, das dennoch zu leben wusste. Dorksham wartete ruhig bis Rós auf ihre Beine gekommen und den Staub des Bodens von ihren Sachen geklopft hatte. Auch dass sie ihre heißgeliebte Axt in den Händen hielt, war dann doch ein Zeichen, dass der Kampf beginnen konnte. Welcher auch immer es war, das die Hexerin abermals rief. Doch war das von Bedeutung für einen Hexer? Galt es nicht, Tagein und Tagaus seinen Pflichten nachzugehen? Für die Isles und Hexerfestung? Dorksham nickte. „Gut. Und ja, es ist wichtig, der Alte ist besorgt. Und das will was heißen.“ Bergolfur hatte viele Jahrzehnte an Kämpfen auf dem Buckel, der Krieger und Hexer hatte so manche aussichtslose Zeit erlebt, manche Niederlage weg stecken müssen, die den Stolz und Willen eines Mannes brechen konnte, dennoch sah man oft weiter das etwas schiefe Grinsen auf dem zernarbten Gesicht des alten Hexers. Dorksham stapfte den steinernen Weg runter zu einem Felsvorsprung am Rande des Lagers. Von hier aus konnte man hervorragend auf Wandras Lohe herunter sehen. Viele Feuer waren verlöscht, doch manch ein Windlicht flatterte unstet in der Dunkelheit, wie Augen, die sich nicht trauten, dem Schlaf anheim zu fallen. Auf einigen Steinen saß ein alter Hexer, dessen bekannte Gestalt einst noch breitere Schultern, ein robustes Kreuz und die Statur eines wahren Kriegers nun mal hatte. Der Zahn der Zeit war nicht unbedingt gnädig mit Bergolfur gewesen, der in seinen Händen einige Runensteine hielt und sie nachdenklich wog. „Rós, Walkyrkriegerin, es ist Zeit zu sterben!“, meinte er mit rauhem Tonfall, wahrscheinlich hatte er zuvor wieder zu viel geraucht. „Sonst werden wir alle fallen und die Welt wird ein einziges Totenfeld werden, Rós!“



Ein seltsames Gefühl, das seinen Anfang in der Kehle der Blauhaarigen fand, durchströmte nunmehr ihren ganzen Körper. Ihr Herz pochte schneller werdend, in ihren Fingern kribbelte und juckte es und die vielen Feuer um sie herum waren diesmal nicht der Grund.
Mit jedem Schritt, den sie an der Seite von Dorksham tat, wurde das Gefühl intensiver, tiefgehender, bis sie schließlich am Rande des Lagers über ganz Wandras Lohe blickte und beinahe übermannt wurde von diesen heimtückischen, grausam folternden Gefühlen, denen sie keine Worte zuschreiben konnte. Als sie so da stand und in die Weite blickte, mit all ihren Bewohnern, ihren Lichtern und der beinahe schon zermürbenden Stimmung, die trotz des wunderschönen Ausblicks ihre Arme fest um den Horizont gelegt hatte.
Ja! Ròs war bereit ihren Weg zu gehen, für die anderen, für ihre Heimat und ihren Stolz.

Volltrunken des Mutes, der sie stets begleitete trat sie an den alten Hexer, dessen beste Tage weit zurück lagen, heran um seine Worte zu hören.
Sterben? Nein, soweit wollte Rós noch nicht denken. Es gab noch genügend Zeit, genügend Möglichkeiten zu testen bevor alles ein Ende finden sollte. Rós war mutig genug ihr Leben zu verspielen, doch wie sollte sie das, ohne den Glauben daran das Ende doch überleben zu können? Doch sie wusste, wie sehr gerade jetzt alles, einfach alles und jeder den sie kannte, auf dem Spiel stand und hinterfragte Bergolfurs Worte keineswegs.
„Was soll ich tun?“ Bedingungslos wie immer trat sie erneut ihren Dienst an, mit Mut im Herzen und Vertrauen in sich selbst und ihre Mitstreiter.



Die Schönheit des Meeres war genauso kalt wie die Gewissheit des Todes. Die Lichter von Wandras Lohe wenig ermutigend. Oder lag es nur daran, dass Rós gerade aus dem Nachtschlaf gerissen wurde, wie eh und je eigentlich mit ominösen Andeutungen zu einem älteren Hexer berufen wurde? Dorksham verharrte an ihrer Seite als Bergolfur sich mit leicht schlürfendem Schritt näherte. Das Alter hatte dem Hexer sehr zu gesetzt und man merkte es bei jeder Bewegung an. Auch den etwas klobig gewordenen Händen, die nicht mehr so kraftvoll eine Axt oder Schwert zu schwingen vermochten. Der Mundwinkel des alten Hexers hob sich, freudlos zwar, aber dennoch mit Genugtuung, dass Rós ohne zu Zaudern sich einverstanden erklärte. Und dennoch schien er nicht überrascht, wahrscheinlich kannte er die junge Hexerin, die er als mutig genug erachtete, sonst hätte er sie auch nie in der Nacht zu sich geholt, weitaus besser. „Ein Freund hat mich um Hilfe gebeten. Er vermag es mit einem Ritual den Weg zur Unterwelt frei zu machen. Du musst wissen, Rós...“ Oha, sie musste wissen? Das war eine ungewöhnliche Einleitung, normalerweise wurde man einfach zum Auftrag geschickt, nicht immer über alle Hintergründe aufgeklärt. Gut. „… dass heute am Tag durch die vermaledeite Hinrichtung ein Riss in der Welt entstanden ist. Einer, der es den toten Seelen erlaubt in das Diesseits überzutreten. Sie tun es bereits und der Riss wird immer größer, von Stunde zu Stunde. Diese Nacht wird ihre Horden frei setzen, morgen am Tag werden sie über Wandras Lohe her fallen. Und wenn die Stadt fällt, dann fallen die Isles. Ihr müsst das verhindern. Ihr müsst in die Welt des Toten reisen und den Riss wieder… was auch immer. Zu machen! Mein alter Freund wird es euch – hoffentlich – noch erklären.“ Er sah fragend zu der jungen Hexerin. „Es könnte ein Himmelfahrtskommando werden. Er wird zwar die Bindung zum Diesseits offen halten, aber nur, solange er es vermag… und am Leben ist! Dafür wird der Rest von uns Sorgen müssen.“



Gespannt lauschte die Hexerin den Worten des Alten. Alles fühlte sich immer noch so an, als wäre dies ein schlechter Traum, aus dem jeder hier zu erwachen versuchte, doch irgendwie schien es zwecklos zu bleiben. Ein Riss in der Welt, der den toten, schauderhaften Gestalten den Weg ins Diesseits ebnete und drohte sie alle mit in den Untergang zu stürzten, welch große Aufgabe das nur war… Wie sie das allerdings bewerkstelligen sollten blieb wohl vorerst noch das größte Rätsel.
„Ich tu was ich kann.“ Versprach Ròs aus ganzem Herzen, doch nicht ohne sich dabei langsam ein wenig unbehaglich zu fühlen.
Große Worte vom Alten musste großes Unheil beschreiben, eine Aufgabe, größer als alles zuvor und vielleicht jemals danach, sofern denn alles auch gut ausgehen würde… Wäre sie denn einer solch großen Sache gewachsen? Kein Zweifel! Rós war genau die Richtige hierfür und zusammen mit den anderen ihrer Bruderschaft würden sie das schon irgendwie wieder hinbekommen… War es leichtsinnig, sich so sicher zu sein? Vielleicht ein wenig, doch was bliebe den Menschen schon ohne den Mut der Hexer, was bliebe Ròs, ohne an sich selbst zu glauben? Also tat sie es einfach, ohne es in auch nur ansatzweise in Frage zu stellen. Ans Scheitern gar nicht erst zu denken…
„Weiß er, wie man den Dreck wieder zukriegt?“ Trotz der Tatsache, dass vermutlich niemand so recht wusste, was nun zu tun wäre, wie man die Sache nun angehen sollte oder was auch immer, stellte Ròs ihre Frage und sie hatte noch die ein oder andere mehr, doch hoffte darauf, dass sie zumindest den ein oder anderen Anhaltspunkt, so fantasievoll er möglicherweise auch wäre, in Erfahrung bringen konnte. Jeder Kampf war eine Einstellungssache, sie brauchte einfach etwas, um sich daran festhalten zu können, einen roten Faden vielleicht, wenn man so wollte, eine Art Liste zum Abhaken, allein für ihren Kopf. Aber gut, selbst wenns diese Liste gäbe, würde später bestimmt wieder alles anders kommen, das kannte sie schon, nur zu gut…



Zwischen die vom Alter verformten Finger des Alten glitt eine Pfeife, die er sicherlich schon viele Dekaden mit sich herum schleppte. Sie trug die Spuren der Zeit, wie auch vom Tabak, Kräutern und auch den Zähnen, die so oft mit einem Klacken sich um das Mundteil geschlossen hatten. Heute Nacht schien der Alte aber schier aufzuleben. Keine Stunde hatte er bisher geruht, gedachte auch nicht in dieser unheilsvollen Nacht das auch nur eine Stunde zu tun. „Gut!“, meinte er mit einem tiefen Brummen, das einem alten und verlebten Bären gut stehen würde. Einer, bei dem man schon die Rippen unter dem grau durchsetzten Fell erkennen würde. Ähnlich war es bei Bergolfur. Der Alte erhob sich, es wirkte wie eine Schildkröte, die langsam auf ihre vier Beine kam, etwas unbeholfen. Im Ernstfall konnte man auf den alten Hexer dennoch immer zählen, er war einer der letzten, der einen Kampf verließ. Meist auch nicht mehr auf den eigenen Beinen, sondern an den Füßen voran weg gezogen. Auch an Tavernenabenden war das gleiche Spiel zu beobachten. „Ich will es doch hoffen, Rós. Aber er hat es mir versichert, dass er einen Plan hat und dass er sich dazu in der Lage fühlt. Und ehrlich gesagt, wenn es einen Hexenmeister auf den Isles gibt, der dazu in der Lage ist, dann ist es Halvard! Komm, Mädchen, wir wollen auf brechen um die Welt, abermals zu retten. Hilf mal einem alten Mann den Weg entlang, sonst scheitert das Weltretten an der nächsten Eiskruste und meinem Fall die Klippen hinunter.“ Der Hexer sah sich suchend um. „Dachte ich mir doch, dass du lauscht, Kleiner!“, murrte der Hexer. Aus dem Schatten trat der Hühne und Hexer Dorksham. „Willst du mit?“ Der Hexer nickte mit dem Lächeln eines Todesmutigen. „Komm!“ Dorksham gesellte sich an die andere Seite von Bergolfur und sah zu Ros. "Na, blaue Füchsin, bereit in den Tod mit einem irren Lachen zu springen?" Sein Gesicht zierte ein wirklich breites Grinsen, als ob er sich auf die Mission freuen würde.



Bergolfurs Antwort war so gut, wie jede andere es auch hätte sein können. Niemand schien genau zu wissen, was hier vor sich ging und wie die nächsten Stunden aussahen, niemand war je damit konfrontiert gewesen ein solches Unheil zu bekämpfen. Nun waren sie alle hier Pioniere, Forscher, mit Hoffnung und Mut, vielleicht auch den ein oder anderen Schluck Met getränkt, die jeden Schritt kontrolliert und voller Ehrfurcht setzen mussten, um die geringen Chancen auf Hoffnung nicht noch weiter zu senken.
Halvar wars also, der den Schlüssel zur bestmöglichen Lösung zu haben schien und Ròs war es nur Recht ihm genauso viel Vertrauen entgegen zu bringen wie der Alte höchstpersönlich. Seinem Urteil konnte man schon viele Jahrzehnte lang trauen, seine Erfahrungen sprechen für sich.
Um den Alten zu stützen reichte sie ihm ihren starken Arm. Einen sagenumwobenen Helden wie ihn in solch einer, fast schon hilflosen Lage zu sehen, gefiel der Hexerin gar nicht. Gut, alt war er, bestimmt schon an die hundert Jahre, gezeichnet vom Kampf und vom Leben. Aber er lebte noch, was man von vielen, die nie auch nur an das Alter von Rós herangekommen waren leider nicht behaupten konnte.
Als Dorksham sich dazu gesellte und Ròs breit angrinste, schmunzelte auch sie. Der Kerl war echt ne Marke die ihr gefallen würde. „Aber sowas von!“ antwortete sie, auch jetzt nicht von ihrem Frohmut getrennt.
Einen Bruchteil von einer Sekunde dachte Ròs wohl über die mögliche Auslöschung ihrer Welt nach, wodurch sich doch die beste Gelegenheit ergab noch ein letztes Mal ihrer Libido nachzugeben und sich an den knackigen Körper des Hexers anzuschmiegen, ihre Augen glänzenden bei dem Gedanken, heiß war der Haudegen schon… Doch,… So unprofessionell wollte sie ihre womöglich letzte Aufgabe nicht angehen, vielleicht war ja später noch Zeit genug fürs Vergnügen.



Ungewissheit war die Konstante im Leben eines Hexers. Wann kam das nächste Ungeheuer? Welche Hexe riss einem den Hintern auf? In welches Maul würde ein Hexer verschwinden und welche böse Magie ihn verzehren. Welch schöne Erleichterung, dass es nun ein Gipfel annahm, indem es gleich in das Reich der Toten ging. Da war wenigstens schön sicher unsicher: War man wirklich tot? Bergolfur stapfte voran, während sich Dorksham den beiden Hexern anschloss und gut gelaunt lachte. „Sehr gut, dann werden wir ein blutiges Gemetzel bei den verdammten Toten hinter lassen und ihnen den Arsch aufreissen, würde ich mal sagen. Und wenn das Ganze vorbei ist, Blaubärchen, dann werden wir ein ganzes Faß Met zusammen leeren und es uns gut gehen lassen, um das Leben neu zu feiern. Einverstanden?“ Er hob die Hand, damit Rós darin einschlagen konnte, so sie sich ihm bei einem ordentlichen Gelage – mit allem drum und dran! - anschließen würde. Sofern sie überhaupt zurück kamen, die Sache überlebten, die Welt nicht untergegangen war und es noch Met gab: all diese Kleinigkeiten eben. „Seid ihr fertig, ihr beiden Turteltauben?“, grunzte Bergolfur. Dorksham lachte noch mal dunkel und amüsiert. „Ach, komm schon , Alter, du bist nur neidisch, weil du es nur noch einmal die Woche schaffst!“ Er klopfte dem Älteren freundlich auf die Schulter, der das Ganze mit einem Glucksen kommentierte. „Glaubst aber auch nur du, Dorksham, du hast sowas von keiner Ahnung. Sowohl vom Alter auch davon, was eine Frau in wirklich andere Gefilde versetzt… Aber kommt, darüber reden wir auf meinem Begräbnis, Adriel hat sich dafür angeboten es vor meinem Tod in die Wege zu leiten, wehe ihr seid nicht mit dabei… ansonsten müssen wir erst einmal die Isles retten! Sonst sind all die hübschen Weiber und herrlichen Recken unglücklich um all die verpassten Nächte mit euch beiden! Kommt! Dort hinten sind schon die Anderen!“, meinte er und führte die beiden Hexer zwischen den von der Kälte geplagten Bäumen durch, während der Wind ungeduldig pfiff.



Motiviert ihr Leben aufs Spiel zu setzen, gar zu opfern um das Bestehen ihrer Welt sicher zu stellen, stapfte Ròs an Bergulfurs Seite den Hügel hinauf und als wären ihre glänzenden Augen ein offenes Buch für ihre bloßen Gedanken gewesen, erkannte sie diese in Dorkshams Worten wieder. „Oh, die werdn sowas von ihre Schwänze einziehn, wenn sie dich kommen sehn!“ scherzte Ròs und klatschte, den Umständen irgendwie leicht zu wider, fröhlich lachend seine Hand ab. „… und wenn ich sie dann alle fertig mach, kannste vielleicht noch was lernen.“ Frech streckte sie ihm ihre Zunge raus, konnte sie ihm doch leider keine Freundschaftsfaust verpassen, da der Alte buchstäblich zwischen ihnen stand. „Bin dabei, aber ein ganzes Fass werd ich allein schon brauchen um dich schön zu saufen.“ Ein herzhaftes Lachen folgte ihren Worten, würde es wohl in nächster Zeit weniger ausgelassen zugehen, als Ròs es lieb war. Zu schade, dass die Abmachung erst vom Erfolg der Mission abhing, doch so konnte sich die Blauhaarige eben auf ihre privatisierte Abschlussparty freuen.

Auch das kleine Geplänkel zwischen den anderen beiden amüsierte die Hexerin sehr. Wie erfrischend es doch war, vor der großen Katastrophe noch einmal alles beiseite zu legen und seiner urtümlich lockeren Art so viel Raum zu lassen. Ròs war meist die einzige, deren Zuversicht sie so gut wie nie verließ und so freute sie sich, einem Gleichgesinnten zu begegnen.
„Andere Gefilde, soso.“ Rós grinste, zu gerne wüsste sie mehr über diese mysteriöse Bemerkung. „Das schreit ja eigentlich grade so nach mehr, aber nix für ungut… Vielleicht könntest du dem Jüngling hier noch so einiges beibringen, bevor wir unsre Erfolgsfeier schmeißen…“ Dem Mann hinter Bergolfur schenkte sie ein neckisches Zwinkern, bevor es auch schon wieder ernster wurde.
„Adriel plant dein Begräbnis? Wie, zuvorkommend von ihm…“
Herrliche Recken… fürchterlich, dieser Ausdruck. Nie würde sie einer solchen Wortvielfalt auch nur im Geringsten die Stirn bieten können, aber gut, der Alte war ja auch schon sehr alt…
Hinter den Bäumen waren auch schon schemenhaft die anderen zu erkennen. Schritt für Schritt näherte sich Ròs nun einer, nicht nur für sie, ungewissen Zukunft. Aufregung fühlte sie ihre Brust hochkriechen. Jetzt gab es kein Zurück mehr!

10.09.2019 20:54 OFF || Email|| Suchen||
 
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