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Wusstest du...

PLOT

The Thing Die Fürstin der Isles ruft auf zu einem großen Thing, wo ein Verräter verurteilt werden soll. Doch der Tod des verräterischen Bojaren reisst die Grenzen zwischen Tod und Leben auf. Die ganzen Isles sind in Gefahr...

Lost Places 2.0 Ooooh, erneut rufen wir für: Geheimnisvolle Orte, verschollene Tempel, vergessene Inseln mit Sirenen, endlose Labyrinthe oder Inseln, die von allen Seelen verlassen sind - hier machen sich Abenteurer auf, ihre Mission zu lösen oder einen Schatz zu finden. Der 7. Geburtstagsplot vom Weltenwanderer.

Lost Places Geheimnisvolle Orte, verschollene Tempel, vergessene Inseln mit Sirenen, endlose Labyrinthe oder Inseln, die von allen Seelen verlassen sind - hier machen sich Abenteurer auf, ihre Mission zu lösen oder einen Schatz zu finden. Der 5. Geburtstagsplot vom Weltenwanderer.

Herzblut
"Das andere Skelett, dessen Geschichte ihr kennen solltet, ist das von Bogatyr, einem Helden der Bravenblader. Eine holde Maid mit einem Glanz in den Augen, den sonst nur Sidhe haben sollten, bat ihn um Hilfe: Sie gab ihm einen Dolch mit Namen HERZBLUT, der einst ihrem Großvater gehörte, und hatte die Macht, seinem Besitzer die Macht eines jeden Wesens zu übertragen, dass er mit einem einzigen Stich ins Herz tötete. Das Mädchen hatte mit angesehen, wie sich ihre Familie über das Erbstück zerstritt und umbrachte, nahm ihn an sich und lief mit ihm davon. Als sie den berühmten Helden gefunden hatte, flehte sie ihn an, den Dolch zu zerstören … wozu nur ein magisches Schmiedefeuer in der Burg ihres Großvaters in der Lage sei." Und so begann die Geschichte des sagenumwogenen Dolch namens Herzblut. Ein Relikt großer Macht. Und der Beginn unseres Halloweenplots 2015.

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Thema: Notfälle und andere Unpäßlichkeiten
Malar

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13.02.2019 10:32 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Der Findling Gerrit war ein echter Glücksgriff, so fand Malar. Seine vormalige Herrin war überraschend verstorben - eine häufige Todesursache in Blackheart - und so hatte er ihn relativ günstig bei einem Notverkauf erstanden. Eigentlich hatte er ihn nur für Handlangerdienste und vor allem Wartungsarbeiten einsetzen wollen, da Floona ihm ständig in den Ohren lag was alles repariert werden mußte. Aber es stellte sich schnell heraus, dass sie einen gewissen Draht zueinander hatten. Der Dunkelelb verfügte zwar nicht über das Geschick eines Findlings beim Zusammenbauen und Auseinandernehmen von Apparaturen, aber er durchblickte schnell die Funktionsweise, und kam obendrein immer wieder mit revolutionären - oder wie es seine Ehefrau ausdrückte: haarsträubenden - Plänen um die Ecke, wie man das Leben in Blackheart komfortabler gestalten könnte. Die wiederum griff der Findling begeistert auf und bastelte und tüftelte nächtelang, wobei ihm der Hausherr nicht selten über die Schulter sah. Das neueste Langzeitprojekt bestand darin herauszufinden, wie man Töne von einem Gebäude in ein anderes übertragen könnte, sodass man nicht immer einen Boten schicken oder selbst erscheinen mußte, wenn man jemanden zu sprechen wünschte. Nun... das System besaß bisher noch gewisse Kinderkrankheiten.

Im Moment überwogen jedoch gewisse andere Probleme. Malar neigte dankend den Kopf, als ihm so aufmerksam ein Stuhl und sogar ein Schemel für sein Bein zurechtgerückt wurde. Das war bereits mehr Fürsorge als er gewöhnt war. Nach einigen Versuchen war es auch geschafft, das Bein in der schweren Metallkonstruktion auf den Schemel zu wuchten, und der Hausherr tupfte sich erleichtert den Schweiß von der Stirn. Oh, wie er dieses nutzlose Anhängsel haßte. Es war eben genug Gefühl darin um ihn Tag und Nacht mit quälenden Schmerzen zu martern, ansonsten ließ es sich weder bewegen, noch trug es sein Gewicht. Dafür war der Stock zuständig, sofern es nur ein paar Schritte waren, aber bei längeren Strecken kam er um die Schiene nicht herum. Ja, die langen, eleganten Roben. Es dauerte einen Moment, um den vielen Stoff beiseite zu räumen. Unpraktisch waren sie in der Tat, aber auch die einzige Möglichkeit, um kunstvoll eine Behinderung zu verbergen. Es ging nicht nur darum einen Makel zu verschleiern. Nein, die Raubtiere durften eine Schwäche nicht einmal wittern. Selbst Malars Ehefrau Floona wußte nichts davon. Er ließ sie glauben dass er ihr noch grollte wegen dem Anschlag vor 50 Jahren, und sie deshalb auf Abstand hielt. Sie hätte sonst mit raffinierten Schikanen sein Leben noch lebenswerter gemacht, als es ohnehin schon war.

"Ah! Orven sei Dank", seufzte der Silberhaarige erlöst, als Gerrit nach einer kurzen und schmerzhaften Tortur verkündete den Übeltäter gefunden zu haben. "Und dir natürlich auch. Ein Hoch auf deine Hände, man sollte sie in Gold aufwiegen lassen." Jetzt, wo der Findling mit geschickten Fingern die Vorrichtung auseinander nahm und in Windeseile die defekte Feder heraus fummelte, stahl sich sogar ein Lächeln auf das Gesicht des Dunkelelben, was sonst ein eher seltener Anblick war. Schlagartig trat Interesse in die rubinfarbenen Augen und er machte vom Stuhl aus einen langen Hals, um genau zu beobachten was Gerrit an der Esse tat. Aufstehen oder gehen konnte nicht, solange das Bein in der defekten Schiene steckte. Allerdings war es nicht von der Hand zu weisen, dass es sich für die erzwungene Ruhepause bedankte indem es weniger schmerzte. Ein Umstand, der auch für kurze Zeit genossen werden wollte, bevor es wieder protestierend gezwungen wurde seinen Dienst zu tun.

Malar wußte wie alt und klapprig dieses Ding inzwischen war, und dass Ersatzteile nur schwierig und langwierig selbst herzustellen waren. Deswegen sagte er zunächst einmal nichts und ließ den Findling an der Esse arbeiten. Man hatte sie extra nach Gerrits Empfehlungen fertigen lassen, und der Hausherr war jedesmal erstaunt wie angenehm wenig die Umgebung aufgeheizt wurde. Er konnte sogar seine Ingredienzien hier lagern und am Experimentiertisch nebenan arbeiten, ohne dass die Zutaten verdarben oder einem der Schweiß den Rücken hinab rann. Wenn Malar hier arbeitete, trug er selbstverständlich auch nicht seine aufwändig gearbeiteten Priesterroben, sondern einen einfachen Kittel mit einem Lederüberwurf. Hier störte ja auch niemanden ein verkrüppeltes Bein. "Sag einmal", konnte der Dunkelelb nach einigen Minuten seine Neugier doch nicht mehr zügeln. "Woran hast du vorhin gearbeitet? Das Rummsen war nicht zu überhören", fügte er erklärend an und zog einen Mundwinkel hoch.

Thema: Der ungeladene Gast
Malar

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12.02.2019 22:23 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Es war nun wirklich nicht so, dass Malar nicht eine gewisse Erleichterung angesichts der angenehmen Tatsache empfand, vom Haken gelassen worden zu sein. Allerdings war es so einfach auch wieder nicht. Man war hier schließlich nicht in Einhornhausen, wo man darauf ein Tässchen Blütenwein schlürfte und sich still seines Lebens freute. Nein, man befand sich in Blackheart, und hier lautete die einzig angemessene Reaktion darauf, als Priester der Siebzig Anhänger Orvens eines niederträchtigen Verbrechens beschuldigt zu werden und seine Integrität auf ehrenrührigste Weise beschmutzt und in den Staub getreten zu sehen: RACHE! Oh, welch nichtswürdiger Sohn eines Grottenolms auch immer hinter dieser Scharade steckte und sich vermutlich eins ins Fäustchen lachte, er würde sein blaues Wunder erleben! Denn jetzt. War es. Persönlich.

"Nun, ich würde sagen schon", bekräftigte der Rotgewandete, nahm einen Schluck vom Wurzelbier und leckte sich über die Lippen, als könnte er das Blut des Nichtswürdigen bereits auf der Zunge schmecken. Nun ja. Das wäre wohl ein wenig voreilig. "Denn auch Eure Theorie, werte Exzellenz, erfordert einen Wissenden. Der uns zumindest sagen können wird ob er erpreßt wurde. Es sei denn, er fand sein Ende. Was, zugegeben, eine höchst unangenehme Sackgasse wäre." Malar seufzte leise und blickte für einen Moment betrübt auf seinen Becher. Unglücklicherweise standen die Chancen dafür recht gut, wenn Dorald recht hatte. Also stand zu hoffen, dass er nicht recht hatte.

"Hm." Der Priester zog nur die Brauen hoch auf die Bemerkung hin. Zu spät. Er fühlte sich bereits auf unangenehme Weise erinnert. "Nun, wie ich sehe, befindet sich ein gewisser Leibwächter nicht mehr in Euren Diensten", lächelte er mit Blick auf die beiden Verbleibenden an der Tür. Der Dritte im Bunde fehlte. Die Sache war allerdings zu wichtig, um Zeit auf Nebenschauplätzen zu vertändeln, weshalb er sich schnell wieder auf das Große Ganze konzentrierte. Dieser Neunmalklugling Dorald! Natürlich würde es in einem Mausoleum, wo alles was am Abend geringfügig anders sein mochte als am Morgen die Anzahl der Spinnweben war, sofort auffallen wenn auch nur ein Löffel verkehrt herum läge. In einem Haus, welches man mit einer Frau, zwei halbwüchsigen Kindern, deren Haustieren, sowie einer Horde Dienstboten bewohnte, sah das jedoch anders aus. Von Malars persönlichen Räumen einmal abgesehen.

"Ah! Spart Euch die Mühe", hob er die Hand, als Dorald bereits anfing die Regale und den Schreibtisch zu untersuchen. "Für diesen Raum besitze nur ich einen Schlüssel, und ich habe ihn erst am Abend aufgesperrt. Wenn hier etwas nicht so wäre wie ich es zurück ließ, hätte ich es bemerkt. Nein, ich denke wir sollten unseren Blick auf die Gemeinschaftsräumlichkeiten richten. Dort wäre es am einfachsten, etwas unauffällig zu plazieren." Er griff nach seinem Stock und stand von der Bank auf. Man mußte schon ein guter Beobachter ein, um zu bemerken dass es mit etwas Mühe geschah. Malar hatte sich im Griff. "Kommt!" Damit wollte er voran gehen und die Wachen mit einer Handbewegung beiseite scheuchen. "Ich darf doch bitten!" Natürlich erwartete er, dass die beiden Figuren sich trollten und nicht weiter seine Tür blockierten.

"Das mit den Dienstboten ist eine vortreffliche Idee", nickte er und schürzte überlegend die Lippen. "Wir sollten darauf jedoch erst zurück greifen, wenn wir nichts finden. Sollte unser Freund einen Spion hier im Haus haben, würde ich ihn ungern zu früh warnen. Floona?" Ein wenig überrascht wandte der Silberhaarige sich Dorald zu und blickte ihn fragend an. "Nun, sie sollte in ihren Gemächern sein. Um diese Zeit nimmt sie meist ein Bad. Glaubt Ihr etwa...?" Malar ließ den Satz unvollendet und hob lediglich die Brauen leicht an.

Thema: Notfälle und andere Unpäßlichkeiten
Malar

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01.02.2019 13:35 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Selbstredend brüllte oder schrie Malar nicht. Das tat er niemals. Er machte sich lediglich eine Besonderheit von Shanaal Rothe zu Nutze. Denn auch wenn Dunkelelben im Allgemeinen nicht viel für Mechanik übrig hatten - von Architektur verstanden sie etwas. Auch dieses herrschaftliche Gemäuer bestand nicht nur aus vier Wänden und einem Dach, aufgepeppt mit düster-kunstvollem Schnickschnack. Die Decken und Säle, Treppenaufgänge und Galerien waren so gebaut, dass sie akustische Signale verstärkten und übertrugen. Damit man nicht ungewollt vertrauliche Gespräche der gesamten Umgebung mitteilte, funktionierte das jedoch erst ab einer gewissen, wohldosierten Lautstärkeschwelle. Das System war so ausgeklügelt, dass man sogar, je nachdem von wo man rief, seine Stimme nur in bestimmte Bereiche des Hauses übertragen konnte. Im Eingangsbereich galt das für das ganze Gebäude, wohl ursprünglich dafür konzipiert dass wenn ein Wächter einen Alarmruf absetzte, man es überall mitbekam. Es erfüllte jedoch auch seinen Zweck, wenn man eine bestimmte Person erreichen wollte, von der man nicht genau wusste wo sie sich aufhielt. Davon machte Malar nun Gebrauch, denn - es war dringend. Wirklich dringend.

RUMMS! Der Hausherr runzelte die Stirn, als ein Knall an seine Ohren drang und den Boden unter seinen Füßen leicht erzittern ließ. Was war das nun schon wieder? Nicht dass das nicht öfter vorkam, auch in seinem eigenen Keller. Bisher hatte es jedoch zum Glück noch niemand geschafft - einschließlich seiner Person - das Gebäude zum Einsturz zu bringen. Zum Glück schien die geschätzte Ehefrau gerade außer Haus zu weilen, denn sonst hätte sie sich bereits zeternd wie ein wütender Grottenolm auf ihn gestürzt, um ihm Vorhaltungen wegen der Kindereien zu machen, mit denen sich ihr Gatte zu beschäftigen pflegte. Kindereien! So etwas nannte man Wissenschaft! Aber für derlei Feinheiten hatte Floona natürlich keinen Sinn. Sie interessierte sich nur für Kleider und Schmuck, und dafür wann der nächste Ball stattfand, auf dem sie diese spazieren tragen konnte.

Nun, für gewöhnlich war Gerrit folgsam, weshalb Malar auf einen zweiten Ruf verzichtete und sich sofort hinunter in den Keller begab. Es quietschte gräßlich bei jedem Schritt, und mit jedem weiteren schien es lauter zu werden. Das ging nun schon den ganzen Tag so. Die Nerven des Priesters waren straff gespannt wie Fiedelsaiten und standen ebenso kurz vor dem Reißen. Das allein war der Grund, warum er heute so ungeduldig und gereizt war und am liebsten die Wände hochgegangen wäre. Es war zum Molchemelken! Und wer jemals versucht hatte einen Molch zu melken, verstand diese Metapher...

"Ah!" Die Miene des Dunkelelben hellte sich auf, als er im Keller eintraf und der Findling bereits um die Ecke geschossen kam. "Du hast dich beeilt! Mein lieber Gerrit, du glaubst gar nicht wie sehr ich mich freue dich zu sehen!" Es klang beinahe wie ein Stoßgebet und war dem Tonfall nach zu urteilen nicht etwa ironisch gemeint. Eine beiläufige Geste liess die magischen Glyphen an der Tür aufglimmen und das Tor zur geheimen Werkstatt öffnete sich. Es gab hier praktisch kein Werkzeug was es nicht gab, und nicht wenige davon waren auf Gerrits Rat hin angeschafft worden. Der Findling war auch die einzige Person im Haus, welche den Raum auch ohne ausdrücklichen Auftrag des Hausherrn betreten durfte. Malar verzog das Gesicht, als es beim Eintreten wieder erbärmlich quietschte. Überlaut für ihn, weil er dieses Geräusch bereits den ganzen Tag hatte ertragen müssen, und für Gerrit weil er sowas wie einen Extra-Sinn dafür besaß.

"Hörst du es?" Kaum dass die Tür hinter den beiden ins Schloß gefallen war, griff der Dunkelelb ungeduldig nach den Schößen der Robe und raffte sie beiseite. Mit Schnallen, Haken und Schnüren war darunter über Beinlingen und Stiefeln eine archaisch anmutende Konstruktion befestigt, die wohl den Zweck hatte das linke Bein in einer geraden Position zu halten. Primitive mechanische Gelenke ermöglichten dabei ein Minimum an Bewegungsfreiheit, und Stahlfedern sollten das natürliche Abrollen simulieren, was sie... nun ja... mehr schlecht als recht taten. Und irgendwo an dieser monströsen Konstruktion aus Schrauben, Stahlbändern und Federn war etwas, was Malar wahnsinnig machte. "Es quietscht!" Anklagend deutete er mit dem Finger nach unten. "Den ganzen Tag schon, und es will einfach nicht aufhören!" Er wußte im Grunde, dass der Hinweis nicht nötig war. Vermutlich hatte der Findling das Geräusch schon längst analysiert und die Ursache ausfindig gemacht. Dennoch musste er seinem Ärger einfach Luft machen. Es gab schließlich nicht viele Gelegenheiten dazu. Winzig war der Kreis der Eingeweihten, welche um dieses Geheimnis wußten, weshalb sich der Dunkelelb meist mit einer steinernen Miene begnügen mußte.

Thema: Notfälle und andere Unpäßlichkeiten
Malar

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Notfälle und andere Unpäßlichkeiten 29.01.2019 21:05 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Es quietschte. Objektiv betrachtet nur ganz leise, aber dennoch laut genug, dass es an Malars Nerven sägte. Ganz langsam und beharrlich, wie ein virtuos geführtes Folterinstrument, welches über die Haut glitt und zuerst feine, oberflächliche Schnitte hinterliess, um dann immer ein klein wenig tiefer vorzudringen, unerbittlich, bis es Muskeln und Sehnen zerschnitt, und schliesslich die Knochen erreichte. So in etwa konnte man sich die Wirkung dieses Geräusches vorstellen, welches den Orvenpriester schon seit dem frühen Morgen kolossal nervte. Inzwischen war es nachmittag, und er war auf dem Weg nach Hause. Das vermaledeite Geräusch gellte so überlaut in seinen Ohren, dass er jedesmal, wenn ein Passant seinen Weg kreuzte, damit rechnete dass dieser stehen blieb und ihn darauf ansprach was hier so orvenerbärmlich quietschte.

Quietsch... knarz... quietsch... knarz... quietsch...

Verflucht noch eins, es musste doch bis nach Deepdown zu hören sein! Warum drehte sich niemand um? Warum hatten die Gebäude von Blackheart ob des anhaltenden akustischen Terrors noch keine Risse und gesprungene Fensterscheiben? Waren hier alle außer ihm taub?

Präzise gesagt war es die Beinschiene, die bei jedem Schritt dieses enervierende Geräusch von sich gab. Irgendeine Schraube oder Feder, oder wusste Orven was für ein Bestandteil, saß vermutlich fest oder benötigte einen Tropfen Öl. Kein Wunder, das Ding war uralt und schwergängig. Obendrein war es unbequem und hinterließ Druckstellen. Malar hatte es vor diversen Jahrzehnten von einem Prothesenbauer anfertigen lassen, der inzwischen das Zeitliche gesegnet hatte. Bisher hatte es jedoch seine Pflicht getan, also hatte keine Notwendigkeit für eine Neuanschaffung bestanden. Zumal eine solch heikle Angelegenheit Vertrauenssache war, und man sich in Blackheart nicht immer auf Diskretion verlassen konnte.

Gerrit, der Findling, den er vor einigen Jahren aus dem Nachlass seiner verstorbenen Besitzerin günstig erworben hatte, überholte das Monstrum aus Stahlbändern, Federn und Riemen in regelmäßigen Abständen und hielt es so gut es ging in Schuss. Auch hatte er es schon als Schrott bezeichnet, was ihm jedoch nur einen grummeligen Blick seines Herrn eingetragen hatte. Also bitte! Malar Beradren, Priester der Siebzig Anhänger Orvens und hochangesehener Sproß des mächtigen Hauses Beradren, kaufte doch keinen... Schrott! Dummerweise wusste jedoch auch er, dass Dinge die Eigenschaft besaßen von ständiger Benutzung weder besser noch neuer zu werden. Da! Das mächtige Portal Shanaal Rothes kam in Sicht! Nur noch wenige Schritte! Malar hätte ja beschleunigt, wenn das mit einem lahmen Bein, einer quietschenden Prothese und einem Stock so ohne Weiteres möglich gewesen wäre. Aber nein, er hatte es schon seit Jahrzehnten mit eiserner Geduld zu ertragen, dass es für ihn eben nicht mehr schneller ging.

"Wehe, einer von euch verliert einen Mucks", zischte er die Wachen an, die seiner Meinung nach ein wenig zu aufdringlich schauten - in Wirklichkeit begrüssten sie nur ehrerbietig ihren Herrn und machten dumme Gesichter als sie angefahren wurden - und schritt so gut es ging hocherhobenen Hauptes an ihnen vorbei, um schliesslich die Tür hinter sich ins Schloss fallen zu lassen und tief Luft zu holen.

"Gerrit!" Befehlend schallte die Stimme des Hausherrn durch die hohen Säle und hallenden Gänge. Nun, eigentlich... klang es nur vordergründig befehlend. Als Unterton war zu vernehmen, dass ein ganz dringendes und sofort der Lösung bedürfendes Problem vorlag. "Wo immer du auch steckst - in den Keller! Sofort!" Dort lagen die ganz und gar und wirklich privaten Räume des Hausherrn, die bei Strafe niemand ohne dessen Erlaubnis betreten durfte. Es gab dort ein geheimes Labor, einen geheimen Gebetsraum, sowie auch einen geheimen Tüftelkeller mit jedem erdenklichen Werkzeug darin. Zu diesem machte sich Malar nun ohne Umschweife auf den Weg.

Thema: Der ungeladene Gast
Malar

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28.01.2019 23:49 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Dass das Benehmen mancher Absolventen der Kriegerakademie zu wünschen übrig ließ, war Malar auch schon des Öfteren aufgefallen. Aus diesem Grund konnte er sich die kleine Spitze gegen die Leibwächterin auch nicht verkneifen, auch wenn die Ärmste vielleicht sogar zu den vorbildlichen Exemplaren gehörte. Aber wie hieß es doch so schön: Mitgefangen, mitgehangen. Und er hatte momentan eben kein anderes Ventil für seinen Unmut. Allerdings musste er doch ein klein wenig schmunzeln, als der Kleriker durchaus amüsiert reagierte. Damit hatte der Priester nicht unbedingt gerechnet, sondern eher mit einer weiteren gereizten Ansage. Dass es nicht so war und er den - zugegeben bitterbösen - Humor zu schätzen wusste, überraschte ihn positiv, war es doch ein Zeichen dass Dorald zugänglich zu werden begann. Vielleicht sah der Sturkopf doch allmählich ein, dass er mit seinen Anwürfen und Anschuldigungen ihrer beider Zeit verschwendete. Nicht dass man in Blackheart davon nicht genügend zur Verfügung hatte, allerdings konnte man diese sicher sinnvoller nutzen, zumal wenn sie wie in diesem Fall auf den Nägeln brannte und es ganz sicher Wichtigeres zu tun gab.

Zum Beispiel herauszufinden wer Doralds geschätztes Eheweib wirklich entführt hatte, und zudem die Stirn besaß sie beide als Spielbrettfiguren zu missbrauchen. Denn solcherlei Schabernack hasste Malar wirklich über die Maßen. Dieser Kerl sollte ihm unterkommen! So es denn ein Kerl war, es konnte selbstredend auch eine weibliche Person dahinter stecken. Allerdings spielte das für die Rachegelüste des Priesters, der hier so schmählich in seinem eigenen Haus vorgeführt wurde, nur eine marginale Rolle.

Natürlich warf er Dorald nicht aus dem Haus. Schließlich war dieser ebenso das Opfer eines Ränkespiels geworden wie er selbst, wie sich nun herausstellte. Viel effektiver war es etwas zu tun, womit der mysteriöse Puppenspieler am Ende seiner Fäden ganz bestimmt nicht rechnete. Niemand in ganz Blackheart rechnete damit, dass Malar Beradren seinem Erzfeind Dorald Tod'a'gog besänftigend ein Wurzelbier anbieten würde, anstatt Gift und Galle zu spucken. Aber kurzfristige Genugtuung war noch nie das gewesen, was einen im Leben weiter brachte. Wenn es dort ein Übel gab, welches sich gegen sie verschworen hatte, dann sollten sie gemeinsam dagegen vorgehen und es mit der Wurzel herausreißen. Deswegen hatte nun auch der Priester ein persönliches Interesse daran, an der Wiederbeschaffung Saverijns tatkräftig mitzuwirken. Oh ja, Malar war wütend wie ein gereizter Grottenskorpion. Aber Dorald war nicht derjenige, gegen den sein Zorn sich richtete. Im Gegenteil.

"Nun das grenzt den Kreis der Verdächtigen ein, würde ich sagen", nickte er bedächtig und nahm einen weiteren Schluck von dem Wurzelbier, welches wohlig von innen her wärmte. Der Stock lehnte inzwischen wieder neben ihm an der Bank, sodass er ihn griffbereit hatte. Malar hasste dieses Ding wie sonst nichts auf der Welt, aber dennoch vermittelte es ihm ein Gefühl der Sicherheit, dass es da war. Was wohl der Grund war, warum er den Stock niemals aus den Augen ließ. Allerdings war es im Moment viel interessanter sein Gegenüber zu beobachten, in dessen Gesicht es arbeitete. Man musste kein Gedankenleser sein, um zu ahnen dass der Kleriker gründlich sein Gedächtnis durchforstete und Schlussfolgerungen anstellte. Malar ließ ihm Zeit und wartete, bis er sich erneut zu Wort meldete.

"Hier?" hob er verblüfft die Brauen, als Dorald seine Überlegungen mit ihm teilte. "In meinem Haus?" Malar krauste die Stirn. Wäre das möglich? Nun, zumindest war es nicht unmöglich. Shanaal Rothe war zwar gut bewacht, und ohne Anmeldung wurde man für gewöhnlich nicht vorgelassen, aber wer sagte denn, dass derjenige überhaupt vorgelassen werden wollte? Es gab immer Mittel und Wege sich unentdeckt irgendwo hinein zu schmuggeln. Oder jemanden zu bestechen oder zu bedrohen, der als Handlanger fungierte.

"Ehrlich gesagt ist mir nichts dergleichen aufgefallen", gestand er wahrheitsgemäß. "Allerdings habe ich es auch nicht genau überprüft", musste er im selben Atemzug eingestehen. "Ich bin nach Hause gekommen, habe zu Abend gegessen, und mich dann mit einer Tasse Tee in mein Arbeitszimmer zurück gezogen. Da alles wie jeden Abend war, hatte ich keinen Grund argwöhnisch zu sein." Der Silberhaarige blickte zu Dorald, der ihn gleichfalls ansah, und an dessen Blick abzulesen war dass er auch in etwa das Gleiche dachte. Malar nickte. "Selbstverständlich dürft Ihr das. Und nicht nur das, ich werde Euch begleiten. Allerdings...", er legte den Kopf leicht auf die Seite, "sollten wir vielleicht nicht allzuviel Einigkeit demonstrieren. Falls sich ein Verräter im Haus befindet, sollten wir darauf verzichten ihn zu warnen." Der Priester hob vielsagend die Brauen und vertraute darauf, dass Dorald wusste worauf er hinaus wollte. Sollte er ihn ruhig noch ein wenig anschreien und ihn durch das Haus schubsen, als sei er immer noch auf der Suche nach einem Beweis für seine Schuld.

Thema: Der ungeladene Gast
Malar

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05.01.2019 23:54 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Malar musste die Lippen aufeinander pressen, um sich ein lakonisches [i]Ach nein?]/i] zu verkneifen. Er hatte schließlich bisher keine andere Erklärung bekommen, warum Dorald stehenden Fußes erst einmal ihn im Verdacht hatte. Hätten sie beide keine Vergangenheit gehabt, wäre er sicher mit einem kühleren Kopf an die Sache heran gegangen. Aber der Priester verbiss sich mit heroischer Selbstbeherrschung derartige Spitzfindigkeiten, die in der vorliegenden Situation sicher nicht zur Deeskalation beitrugen. Auch eine harsche Bemerkung, wer hier wohl von Vernunft sprechen durfte schluckte er hinunter, auch wenn er dabei ein Gesicht machte als hätte man ihm eine schlecht zubereitete Höhlenschnecke serviert. Aber was tat man nicht alles, um einen wildgewordenen Kleriker daran zu hindern aus der Spur zu laufen.

Stattdessen verstieg er sich zu einer Maßnahme, die tatsächlich nur die pure Verzweiflung hätte hervorbringen können: Er gab seinen Stock aus der Hand. Nicht, dass dieser Stock etwas Besonderes war. Er wirkte zwar elegant, und das schwarzpolierte Wurzelholz hatte sicher seinen materiellen Wert. Das eigentlich Brisante war jedoch das, was er in sich trug, und was außer einem Kleriker niemand hätte zum Vorschein bringen können. Dieser vermaledeite Stock erzählte nämlich eine Geschichte. Und zwar keine, die Malar angenehm war. Er hätte sich genauso gut vor Dorald seiner Kleider entledigen und sich ihm nackt präsentieren können. So in etwa fühlte er sich auch - im übertragenen Sinne - als der Mörder seiner Schwester das Möbel an sich nahm und eingehend betrachtete. Im ersten Impuls hätte er es ihm am liebsten wieder aus den Händen gerissen und behauptet es sich anders überlegt zu haben. Aber getan war getan. Es gab nun kein Zurück mehr. Dafür wurde die Wache übellaunig angefaucht, die es wagte sich vor ihm aufzubauen und Überlegenheit zu demonstrieren.

"Mit Verlaub, Dorald", erwiderte er in betont liebenswürdigem Tonfall und liess sogar ein süßsaures Lächeln sehen, "ich nehme doch an, Eure geschätzte Leibwächterin weiß sich gegen Worte zu verteidigen? Sonst empfehle ich dringend, einen Debattierkurs in der Kriegerakademie einzuführen. Denn das Einzige was sie am Kopf treffen könnte, haltet Ihr gerade fest." Natürlich sprach er ganz ungeniert in der dritten Person über die Kriegerin. Ein wenig Boshaftigkeit war schließlich alles was ihm derzeit zur Verfügung stand. In Wirklichkeit war Malar gar nicht so boshaft wie er sich gern gab. Aber das musste man niemandem in Blackheart auf die herumschnüffelnde Nase binden. Je mehr man gefürchtet wurde, desto mehr hatte man seine Ruhe. Umso mehr, wenn man ein Geheimnis mit sich herum trug, von dem keiner erfahren durfte.

Nun, Dorald erfuhr davon, das war nicht mehr zu ändern. Er besaß allerdings tatsächlich genügend Anstand und Diskretion sich nicht darüber auszulassen. Stattdessen schwang Enttäuschung in seiner Stimme, was Malar verstehen konnte. Solange man noch vom Glauben beseelt war etwas nachjagen zu können, und wenn es nur ein Schatten war, gab es immerhin noch Hoffnung. Aber es gab nichts Niederschmetternderes, als sich eingestehen zu müssen dass man mit seinen Möglichkeiten am Ende war. Nun, sein Mitgefühl wollte Dorald wohl kaum. Aber mit einem Becher heißen Wurzelbiers verhielt es sich sicher anders. Auch er selbst nahm sich seinen vom Tablett, nachdem er seinem Gesprächspartner den anderen gereicht hatte, und nahm einen Schluck, während er zusah wie Dorald etwas hervor zog. Es sah aus wie eine simple, schmucklose Haarnadel, und wie sich bestätigte war es auch eine. "Oh?" Malar hob die Brauen und staunte nicht schlecht. "Das alles habt Ihr in dieser Haarnadel sehen können?" Er wollte überhaupt nicht mehr wissen was der Stock dem Kleriker alles verraten hatte. Aber das brachte ihn auf eine andere Idee...

"Nun ja", hob er schliesslich an, nachdem er einen weiteren Schluck des heißen alkoholischen Getränks zu sich genommen hatte. "Ich halte diesen Cretin für einen Bastard, aber für alles andere als dumm. Immerhin hätte seine Schliche beinahe funktioniert. Allerdings muss es, wenn er diese Nadel so geschickt präpariert hat, jemand sein der von Eurer Gabe weiß, nicht wahr?" Malar lehnte sich ein wenig nach vorn und betrachtete den Kleriker aufmerksam über den Rand seines Bechers hinweg. "Wieviele Personen in Blackheart kämen da in Frage, schätzt Ihr?"

Thema: Der ungeladene Gast
Malar

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24.12.2018 09:41 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Malar lag nichts ferner als Dorald anzugreifen. Erstens war er nicht so dumm sich sein eigenes Grab zu schaufeln, und zweitens... konnte er, bei aller Empörung über die Schikane, nicht umhin doch irgendwie Verständnis zu haben. Nicht dass er seiner eigenen Ehefrau große Tränen nachweinen würde wenn sie plötzlich verschwände, auch wenn er durchaus nach ihr suchen würde. Aber würde es sich zum Beispiel um eines seiner Kinder handeln, würde er ebenso aufgebracht jeden sich bietenden Stein umdrehen. Nein, der Kleriker musste wohl im Hause Beradren nicht um seine Unversehrtheit fürchten. Nicht einmal ein Abführmittel hatte Malar in das Wurzelbier mischen lassen, obwohl ihm unter anderen Umständen der Gedanke durchaus gekommen wäre. Allein für die Unverschämtheit mit den Wachen. Aber tatsächlich schien seine Reaktion darauf den Kleriker ein wenig zu erheitern, auch wenn seine Miene weitgehend ausdruckslos blieb - bis auf das winzige Zucken der Mundwinkel.

"Ah, wirklich?" Malar verengte die Augen und starrte zurück, als er angezischt wurde. "Und wann habe ich Euch zuletzt in eine missliche Lage gebracht?" Um der Wahrheit die Ehre zu geben, war das noch nie vorgekommen. Natürlich trachtete er danach, den Kleriker in die misslichste Lage seines Lebens zu bringen, sobald der zweifelsfreie Beweis erbracht war am Tod Munaris mitgewirkt zu haben. Aber das hatte er in all den Jahrzehnten nicht geschafft, und daher auch keinen Grund gehabt zu tun was ihm Dorald vorwarf. Malar Beradren war niemand, der seine Zeit mit zänkischen Spielchen verschwendete. Wie sollte er dann seine große, eisgekühlte Rache noch genießen, wenn sie irgendwann kommen würde? Aber in der Tat, das musste er selbst eingestehen, war es bedauerlich, dass der Tod seiner Schwester zwischen ihnen stand. Denn wäre dem nicht so gewesen, hätte er den Tod'a'gog durchaus respektiert, vielleicht sogar gemocht. Auch wenn er es ungern zugab, und dies schon gar nicht offiziell tun würde, war es in Wirklichkeit gar nicht so, dass er ihn persönlich nicht ausstehen konnte.

"Hm", machte er nur auf die Bemerkung hin und hob lediglich vielsagend die Brauen - es war eine seiner Lieblingsmimiken vielsagend die Brauen zu heben - bevor die Leibwächter beiseite traten und den menschlichen Bediensteten einließen, der ein Tablett mit zwei dampfenden silbernen Bechern transportierte. Er beeilte sich auch, es auf dem niedrigen Tisch abzustellen und auf eine Geste seines Herrn hin sofort wieder zu verschwinden. Malar bemühte sich seinen Anflug von Amüsement tunlichst zu verbergen. Es sah wirklich furchtbar albern aus, wie die Wachen mit ihren Fingern in den Ohren gleich wieder vor die Tür traten wie zwei Kinder, denen man befohlen hatte sich zum Schämen in die Ecke zu stellen. Indes, so wusste der eines Verbrechens bezichtigte Hausherr, wäre es ungesund darüber lauthals zu lachen oder auch nur verstohlen zu glucksen, also liess er das lieber bleiben und behielt seine ausdruckslose Miene bei.

Ganz und gar nicht lustig fand er jedoch, dass Dorald mit der Hand auf den Tisch hieb, was die Becher auf dem Tablett klirren und den rotgewandeten Priester erschrocken zusammenfahren liess. Schön, Dorald war also nicht in der Stimmung auf ernst gemeinte Fragen zu antworten. Stattdessen versteifte er sich weiterhin darauf, ihm seine Vorwürfe unter die Nase zu reiben. Bei Orven, dieser Kerl war so stur wie ein Felsen, und wie es schien ebenso schwer zu überzeugen! "Zum hundertsten Mal!" Ja, auch einem Malar Beradren riss irgendwann der Geduldsfaden. Zorn loderte in den Augen des Priesters auf, und auch seine Stimme erhob sich nun, mochte er dafür in die Foltergrotte gesperrt werden oder nicht. "Ich weiss nicht wer Eure Frau hat und wo sie sich aufhält, und wenn Ihr meine Gedärme einzeln mit der Gabel aufwickelt! Bekommt das endlich in Euren Dickschädel hinein, Dorald Tod'a'gog, und seht ein dass Ihr den falschen Abzweig genommen habt! Orvenverflucht noch eins..."

Nein, tatsächlich. So kamen sie nicht weiter. Vielleicht war es der Zorn, der Malar dazu verleitete, vielleicht Unüberlegtheit, oder vielleicht auch einfach nur die Tatsache, dass er mit dem Rücken zur Wand stand. Auf jeden Fall tat er etwas, was er unter gewöhnlichen Umständen niemals getan hätte. Er gab seinen Stock nicht nur aus der Hand, er gab ihn auch noch jemandem, der offenkundig über seherische Fähigkeiten verfügte, und als Cremehaube auf der Pastete überdies noch sein Erzfeind war. "Oh, seid Euch gewiss, mir war selten etwas ernster als dies", schnaubte der Priester. "Und ich vertraue auf Eure Diskretion. Das könnt Ihr Euch übrigens sparen." Ein scharfer Blick traf die Leibwächterin, die sich vor ihm aufbauen wollte, und wies sie in die Schranken. "Wag' es auch nur meinen Saum zu berühren, und du stirbst eines qualvollen Todes", raunte er leise, und seiner Stimme war anzuhören dass dies keine leere Drohung war. Ein Priester der Siebzig hatte es nicht nötig sich von Handlangern herumschubsen zu lassen.

Malar legte die Hände in den Schoß, während der Kleriker den Stock mit beiden Händen griff und in Meditation zu versinken schien. Ihm war unwohl. Dieses vermaledeite Ding begleitete ihn seit fünzig Zyklen, und es hätte Bücher mit Geschichten füllen können, wenn es denn hätte sprechen und schreiben können. Nun, das konnte das schwarzpolierte Wurzelholz nicht, aber dennoch breiteten sich die Geschichten in Form von Bildern vor dem inneren Auge des Klerikers aus. Intime, sehr persönliche Bilder und Geschichten, die Malar sonst niemals preisgegeben hätte. Viele davon kannte niemand, außer ihm selbst - und nun kannte sie sein Erzfeind, der mutmaßliche Mörder seiner Schwester. Hätte es ihm noch am Morgen jemand prophezeit, dass er jemals in diese aberwitzige Situation geraten könnte, er hätte es für einen schlechten Witz gehalten. Aber es war nun einmal wie es war. Malar ergab sich in sein Schicksal und wartete ab.

Es wurde still im Raum. Hin und wieder klirrte leise ein Kohlestück, wenn es zu Asche zerfiel. Sogar die Atemzüge der Anwesenden waren zu hören. Niemand sagte ein Wort oder tat einen Mucks. Die Augen des Priesters ruhten auf dem Gesicht seines Gegenübers, welches entspannt wirkte, beinahe verletzlich, wie das eines Schlafenden. Er konnte nur vermuten was Dorald sah, aber anscheinend war es nichts was seinen Verdacht erhärtete, denn er wirkte nachdenklich, fast schon verwirrt, als er schliesslich die Augen wieder aufschlug und den Stock mit einer Behutsamkeit aus der Hand legte, die er eben noch nicht an den Tag gelegt hatte. Aus irgendeinem Grund war Malar ihm dankbar dafür. Langsam griff er nach den beiden Bechern und nahm sie vom Tablett, während er wartete bis die Verwirrung auf den Zügen des Klerikers sich gelegt hatte und er zu sprechen anhob. Ein Mundwinkel des Silberhaarigen hob sich leicht, aber es war kein Lächeln.

"Ich weiss", nickte er schlicht und reichte Dorald einen der Becher mit heißem, aromatisch gewürztem Wurzelbier. "Ihr hattet Euch eine Spur erhofft, und sie Euch nicht liefern zu können tut mir auf eine gewisse Art leid. Ich hätte Euch gern weiter geholfen, glaubt mir." Das war ehrlich gemeint. "Aber vielleicht verratet Ihr mir nun, welch verräterischer Hinweis Euch zu mir geführt hat? Möglicherweise... führt er ja auch in die Richtung, aus der er kam." Die Stimme des Priesters klang ruhig, kein Zorn oder Empörung lagen mehr darin. Der Blick der glutroten Augen wirkte nachdenklich. Sie waren ganz offensichtlich beide hinters Licht geführt worden.

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30.11.2018 10:07 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Natürlich hatte Malar nichts gegen die beiden Leibwächter persönlich. Sie mochten gestandene Krieger sein, im Gegensatz zu ihrem windigen Kollegen, der Orven sei Dank nicht anwesend war. Soviel Takt hatte Dorald immerhin besessen. Dennoch standen sie im Rang weit unter einem Priester der Siebzig, auch wenn sie einem Kleriker dienten. Wie stand ein Malar Beradren da, wenn er zuliess dass der Pöbel Zeuge seiner Demütigung wurde und ihn zum heutigen Tavernengespött machte? Oh, diese Indiskretion würde Dorald etwas kosten! Der Priester würde darauf bestehen dass sein Ruf öffentlich wieder hergestellt wurde, sobald diese unselige Sache aus der Welt war. Im Selbstverständnis seiner Unschuld bestand für ihn selbstredend kein Zweifel, dass dies bald geschehen würde.

Malars Augen weiteten sich ungläubig, als der Kleriker es tatsächlich wagte die beiden nicht des Zimmers zu verweisen. Stattdessen sollten sie sich die Finger in die Ohren stecken, was nicht nur impertinent war, sondern auch noch äußerst ekelerregend. Der Priester verzog das Gesicht, bevor er mit reichlich angesäuerter Miene zu Dorald sah. "Ganz und gar nicht", erwiderte er wahrheitsgemäss, wenn er denn schon gefragt wurde. "Aber selbstredend steht es Euch frei, sie auch noch in der Nase bohren und ihr Gemächt richten zu lassen, wenn das Euer Ernst ist. Ich hoffe nur sie waschen sich die Finger, bevor sie hier im Haus etwas anfassen. Das ist widerlich!" Nun... um der Wahrheit die Ehre zu geben, war die Empörung des Priesters zur Hälfte gespielt. Wenn Dorald der Sinn danach stand auf seine Kosten dumme Witze zu machen, war die Situation derzeit zumindest einigermaßen entschärft, so dachte Malar. Solange ihn das vor dem Folterkeller bewahrte, würde er sich angemessen darüber aufregen.

Zunächst jedoch nahm er erst einmal auf der Bank Platz, wofür ihm sein Bein äusserst dankbar war. Das Nachlassen des Schmerzes hätte ihm beinahe einen wohligen Laut entlockt, den er gerade noch unterdrücken konnte. Es hatte sich in den letzten 50 Jahren ausgezahlt sich diese Einschränkung nicht anmerken zu lassen. Ganz sicher würde er nicht damit anfangen wenn er einem Kleriker gegenüber sass, der dazu ausgebildet war jede Schwäche auszunutzen. Zumal Dorald nicht irgendein Kleriker war, sondern einer mit dem ihn eine lange Feindschaft verband, und der sich zu allem Übel auch noch in einem emotionalen Ausnahmezustand befand. Denn ganz im Gegensatz zu Malars und Floonas Ehe, die seit Äonen in eine innige Abneigung übergegangen war, schien er seine Gattin tatsächlich zu lieben. Der Silberhaarige wusste nicht was ihn mehr ärgerte. Dass er zu Unrecht angeschuldigt wurde, oder dass er tatsächlich nichts über den Verbleib Saverjns wusste. Für gewöhnlich flüsterten die Schatten in Blackheart zumindest irgendetwas durch die Galerien, denn Spionage war hierzulande Volkssport. In diesem Fall jedoch war es scheinbar Jemandem gelungen, seine Aktivitäten äusserst geheim zu halten.

"Wenn ich das wüsste, hätte ich Euch den Kerl oder die Megäre längst auf dem Silbertablett präsentiert", schnaubte Malar. "Oder glaubt Ihr ich finde Geschmack daran, mein Haus stürmen zu lassen und mich vor der gesamten Belegschaft einer hochnotpeinlichen Befragung zu unterziehen?" Die Frage war rhetorisch, er erwartete keine Antwort darauf. Die nächsten Worte des Klerikers waren indes interessant und liessen den Priester die Ohren spitzen. Ahh ja, er erinnerte sich. Er hatte es ein ums andere Mal mitbekommen, wie sich der Gesichtsausdruck seines Schwagers veränderte wenn er einen Gegenstand berührte. Oft hatte er unwirsch oder verstört reagiert. Malar kannte seine Fähigkeiten nicht im Einzelnen, aber Orven musste ihn mit der Gabe des Sehens ausgestattet haben. Nur Dunkelelben mit speziellen analytischen Eigenschaften wurden zum Kleriker berufen.

Es klopfte von aussen an die Tür und eine Stimme fragte, ob es recht sei das Wurzelbier herein zu bringen. Da die beiden Hanswürste mit den Fingern in den Ohren den Eingang blockierten, und er ihnen kaum befehlen konnte beiseite zu treten, hob der Silberhaarige die Brauen in Richtung Dorald. "Ich hoffe Eure Bediensteten hören Euch, sonst müssen wir uns eine kalte Tasse Tee teilen", bemerkte er ein wenig spitz, um dann wieder zur Tagesordnung überzugehen.

Ärgerlicherweise schien der Kleriker eine regelrechte Resistenz vernünftigen Argumenten gegenüber entwickelt zu haben, was Malar missvergnügt den Mund verziehen liess. "Wenn keine Rolle spielt was Ihr denkt, wessen Gedanken tun es dann?" brummte er und dachte nach, während man ihm ansah dass er mit sich rang. Schliesslich gab er sich einen Ruck. "Nun gut." Er griff nach dem Stock, den er neben sich an die Bank gelehnt hatte, hob ihn auf und hielt ihn für einen Moment in die Höhe, sodass sich der warme Schein des Kaminfeuers auf dem polierten Wurzelholz fing. "Wie Ihr wisst, ist dieses Requisit seit einigen Jahren mein ständiger Begleiter. Wen Ihr auch fragen werdet, niemand in Blackheart wird behaupten mich ohne dieses Ding gesehen zu haben. Und wie gründlich Ihr auch mein Haus durchsucht, Ihr werden kein zweites Exemplar finden, denn ich besitze nur das Eine. Das wird Euch jeder meiner Bediensteten unter Eid bestätigen. Also muss dieser Stock mich auch begleitet haben, als ich angeblich Eure Frau entführte. Nun - nehmt ihn an Euch und wendet Eure Gabe darauf an. Worte können lügen, das mag eine Tatsache sein. Aber dieses alte Stück Holz wird es nicht." Mit einer auffordernden Geste reichte Malar den Stock an Dorald weiter.

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22.11.2018 08:43 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

"Wie Ihr meint." Malar neigte leicht den Kopf. Er war klug genug keinen Zunder in die Glut zu werfen, jetzt wo der Zorn des Klerikers eben begonnen hatte zu verrauchen. Dieser dachte zumindest über die Stichhaltigkeit der Einwände nach, das war seinem Gesichtsausdruck anzusehen. Das Problem war nur, dass niemand ihn zwingen konnte auch nur einen Pfefferling darauf zu geben. Andererseits hielt Malar seinen Schwager bei allem sorgsam gehegten Groll nicht für einen Dummkopf. Wenn Dorald den Falschen einbuchtete, würde das zwar sicher befriedigend sein, und überdies die Gelegenheit bieten sich eines alten Feindes zu entledigen, was ja auch etwas war - aber in der Sache brachte es ihn keinen Schritt weiter. Im Gegenteil würde er wertvolle Zeit damit verschwenden einer falschen Spur nachzujagen. Der Priester hoffte zumindest, dass sein Gegenüber auf ähnliche Gedanken kam.

Die Bemerkung mit der Eisernen Jungfrau war nicht respektlos gemeint. Es war nun einmal aus der Sicht eines Unschuldigen - wobei man darüber streiten konnte inwiefern Malar Beradren eine unschuldige Seele war, aber mit dieser Geschichte hatte er ausnahmsweise wirklich nichts zu tun - eine simple Tatsache. Dennoch gewahrte er den finsteren Blick, der ihn mahnte sein ohnehin mieses Blatt nicht zu überreizen, und verzichtete im eigenen Interesse darauf die Diskussion zu vertiefen.

Dass die beiden Schergen ins Arbeitszimmer folgten, passte ihm dagegen überhaupt nicht. Malar musste sich stark zusammenreissen, um sie nicht in scharfem Ton anzufahren dass sie sich gefälligst hinaus zu scheren hätten. Sich seiner prekären Lage bewusst, presste der Silberhaarige jedoch nur die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen, schoss jedem der beiden einen vernichtenden Blick zu und wandte sich dann in bemüht höflichem Ton an Dorald: "Ich muss doch sehr bitten, Eure Exzellenz. Ich habe Euch nicht zu einer vertraulichen Unterredung gebeten, um dennoch fremde Ohren dabei zu haben. Bitte sagt Euren Leuten, sie mögen vor der Tür warten wie alle anderen Dienstboten auch." Auch wenn seine Stimme leise und kultiviert klang, konnten die wohlgesetzten Worte den Ärger über die unstandesgemässe Behandlung nicht ganz übertönen. Angeschuldigt oder nicht, er war immer noch ein Priester der Siebzig, und die Privilegien eines Klerikers galten nicht automatisch auch für dessen Bedienstete. Zum Glück war zumindest dieser neunmalverfluchte Rhagas nicht dabei. Malar hätte nicht an sich halten können, wenn sich dieser Cretin in seinen Privatgemächern breitgemacht hätte.

Tief durchatmend zwang er sich zur Ruhe und lauschte dem was Dorald zu sagen hatte. Das bot genügend Zündstoff, um ihn die beiden Nebendarsteller erst einmal vergessen zu lassen. Sogar das schmerzende Bein trat für einen Moment in den Hintergrund, obwohl eben der Sitzplatz am Feuer noch als höchst erstrebenswerte Wonne erschienen war. Jetzt aber gab es Wichtigeres. Der Kleriker selbst behauptete, ihn gesehen und erkannt zu haben. Was bedeutete, dass er entweder keine Beweise besaß und verzweifelt genug war zu lügen um ihn aus der Reserve zu locken - oder dass irgendein anderer Lügenbold es bewusst hatte danach aussehen lassen. Malar tippte auf Letzteres, denn nach Doralds Habitus zu urteilen schien er zwar nicht ganz sicher ob er dem Braten trauen sollte, glaubte aber zumindest an das was er sagte.

"Ich zweifle nicht daran, dass Ihr etwas gesehen habt", schluckte der Priester seinen Ärger über die spöttische Bemerkung hinunter. "Ich bezweifle nur ernsthaft, dass Ihr mich gesehen habt. Ja, in der Tat, das ist es!" Er schnaubte leise und zog die Brauen zusammen. "Könnt Ihr mir denn zumindest sagen wann Ihr mich gesehen haben wollt? Ich bin nämlich sicher, mich zu diesem Zeitpunkt nicht dort aufgehalten zu haben. Möglicherweise lassen sich dafür Zeugen finden." Das mit dem Drilling liess er unkommentiert und brummte nur leise. Aufgrund gewisser Ereignisse in der Vergangenheit war dieses Gebiet eine kochende Pechgrube, über die nur ein haardünnes Seil führte. Besser man betrat es gar nicht erst, denn Malar hatte nun wirklich nicht vor die Fehde wegen seiner einzigen Zwillingsschwester wieder aufzuwärmen. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt führte das nirgendwohin, ausser vielleicht doch noch in die Folterkammer. "Verzeiht", neigte er deshalb den Kopf und nahm wieder eine scheinbar entspannte Haltung an."Das war unangebracht. Vielleicht reden wir erst einmal in Ruhe darüber."

Der silberhaarige Priester hatte vor ein wenig Zeit zu gewinnen, denn das was der Andere sich nun als neue These zusammenkonstruierte und ihm vorwarf, klang dummerweise nicht so als wäre es einfach mit ein paar logischen Argumenten zu entkräften. Im Gegenteil, das musste der Neid lassen, hatte dieser durchtriebene Plan tatsächlich etwas Perfides an sich. Etwas, was durchaus dem Hirn eines Malar Beradren hätte entstammen können, und das beunruhigte den Besitzer dieses Hirns zutiefst. "Nun... Ihr denkt also, es gibt Jemanden, für den ich bereit wäre meinen Namen und meine Position zu opfern, mir die Ohren langziehen und mich sogar in die Eiserne Jungfrau sperren zu lassen?" erkundigte er sich und wählte seine Worte sorgsam, während er sich nun selbst langsam und etwas umständlich auf der Bank nieder liess. Er hielt dabei respektvollen Abstand zu Dorald, aber nicht so viel dass es zu distanziert wirkte. Das war kontraproduktiv, wenn man eine Unterhaltung zu führen gedachte.

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Malar

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10.11.2018 15:38 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Nun war es an dem Silberhaarigen, ein wenig erstaunt aus seinem gestärkten Kragen zu schauen. Stand dort wirklich ein Elb aus Shallows vor ihm? Oder hatte der Schmerz über seinen Verlust den Verstand des Klerikers bereits so umnachtet, dass er selbst einfachste Schlüsse nicht mehr ziehen konnte? Malar konnte sich ein leises Brummen nicht verkneifen. "Mich deucht, Ihr braucht eher einen Hilfsdetektiv als einen Schuldigen, mein werter Dorald", merkte er trocken an. "Ob Eure derzeitige Ehefrau einen Feind hat? Möglich, ich kenne sie zu wenig um das zu wissen. Was ich aber weiss, ist dass jeder von uns einen ganzen Haufen davon hat." Er deutete mit der freien Hand abwechselnd auf Dorald und auf sich selbst, bevor er fortfuhr: "Und dass eine orvenverfluchte Menge Leute von unserer Fehde wegen Eurer letzten Ehefrau wissen. Wie schwierig also denkt Ihr ist es vorauszusehen, dass Euer Verdacht zuerst auf mich fallen wird, wenn Eure aktuelle Ehefrau plötzlich verschwindet? Haben Euer Exzellenz schon einmal erwogen in diese Richtung zu denken?" Malar lächelte betont liebenswürdig und stützte sich wieder mit beiden Händen auf seinen Stock, während er innerlich grummelte. Sapperlot, musste er nun ernsthaft einem Kleriker erklären wie eine Intrige funktionierte? Natürlich inszenierte man sein Schauspiel so, dass alles gegen die Person sprach der man etwas in die Schuhe schieben wollte. Dieses Einmaleins war so alt wie die Kultur der Shallows-Elben. Ärgerlich war, dass es nun anscheinend jemandem gelungen war ihn selbst in eine solche Schmierenkomödie zu verwickeln, ohne dass er es hatte kommen sehen.

Nun ja, dass es Dorald im Moment gerade nicht nach einer Mahlzeit gelüstete, konnte er verstehen. Es war einen Versuch wert gewesen, um die Situation ein wenig zu entschärfen. Denn dass das Pendel immer noch drohend über ihm schwebte und von A nach B schwang, war Malar nur allzu bewusst. Er hatte keine Lust, noch festgeschnallt auf dem Tisch zu liegen wenn es sich herabsenkte. Ebensowenig hatte er Lust, seine eigene Quasi-Verhandlung hier in der Empfangshalle zu führen, wo Irsh und Yirsh sie belauschen konnte. Insbesondere Floona musste nicht alles wissen, da es der Hausherrin durchaus zuzutrauen war sich an der Intrige gegen ihren Gatten zu beteiligen. Oder gar auf eigene Faust loszuziehen um irgendwen zur Rede zu stellen, und damit die Verschwörer aufzuscheuchen. Bei Floona wusste man nie was sie als Nächstes tat, weshalb Malar sie grundsätzlich aus allem herauszuhalten pflegte was sie nicht unmittelbar etwas anging. "Seid versichert, auch Eure eisernste Jungfrau könnte mir nichts anderes entlocken als die Wahrheit", seufzte Malar und wartete bis der Kleriker seiner Einladung gefolgt und an ihm vorbei durch die Zimmertür getreten war, bevor er etwas umständlich folgte und die Tür hinter ihnen beiden schloss.

Die Wände des Arbeitszimmers schienen ganz aus deckenhohen Bücherregalen zu bestehen. Die darin befindlichen Folianten waren zum Teil sehr alt, insbesondere die in den oberen Reihen. Auf dem steinernen Schreibtisch mit dem schmiedeeisernen Sessel dahinter befanden sich Papiere und Schriftrollen, Füllfederhalter und Rechenschieber, dazu eine längst abgekühlte Tasse Tee. Im Kamin prasselte ein behagliches Feuer, und es gab dort eine gepolsterte Sitzbank, auf der man sich niederlassen konnte.

Aha. Dorald hatte also Beweise. Auch wenn er das in einem Ton vortrug als ginge das niemanden etwas an. Der Priester stützte sich wieder mit beiden Händen auf den Knauf seines Gehstocks und blickte sein Gegenüber ruhig an. Der Schein des Feuers fing sich dabei in den lavafarbenen Augen und liess sie leuchten, ebenso wie die Ornamente auf der scharlachroten Robe zu gleißen und zu funkeln schienen. "Euch ist schon bewusst, dass Ihr gerade für meine Theorie sprecht, nicht gegen sie?" Malar hob die Brauen und wolte gerade einladend auf die Sitzbank deuten, als er mitten in der Bewegung erstarrte wie eine der mechanisch betriebenen Statuen im Tempel, wenn der Mechanismus ausfiel. "Wie bitte?" Ungläubig starrte er den Kleriker an, der ihm soeben etwas Ungeheuerliches eröffnet hatte. "Ihr habt es... gesehen? Mit Euren eigenen Augen?" Ihm war vollends bewusst dass er seine Frage doppelt stellte, denn womit sonst ausser den Augen sollten man etwas sehen? Aber er musste sich einfach vergewissern. Dorald sagte ja schliesslich nicht, dass irgendjemand ihn gesehen hatte - sondern er selbst. "Das ist unmöglich!" erklärte der silberhaarige Priester kategorisch und schüttelte den Kopf. "Jemand muss sich für mich ausgegeben haben!" Anders war es nicht zu erklären, denn ganz abgesehen von der Tatsache dass man einen Kleriker nicht ungestraft der Lüge bezichtigte, hatte Dorald auch keinerlei Grund zu lügen. Es sei denn... er griff vielleicht zu einem Trick, um ihn unter Druck zu setzen. Was er nicht nötig gehabt hätte, wäre er wirklich von seiner Schuld überzeugt. Malars Augen verengten sich. "Kann es vielleicht sein, dass Ihr Eurer Sache selbst nicht sicher seid?"

Thema: Charaktere: Du hast eine Idee?
Malar

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08.11.2018 08:20 Forum: Gesuche

Hallo nice

Ich könnte ein dunkelelbisches "Adelshaus" anbieten. Der älteste Sohn käme zwar nicht in Frage, denn der ist schon verheiratet und hat Kinder, aber einen Bastard aus einer früheren Liaison von Malar oder Floona könnte man schon rein bringen. Alternativ auch einen Bruder von Malar, da der ja nicht wirklich das Hausoberhaupt ist, sondern dessen Vater. Dann wären deine Eltern allerdings NSCs und der Chara wäre auch schon älter. Falls etwas davon deiner Vorstellung entspricht, kannst du ja bescheid sagen Augenzwinkern

Thema: [WELTEN] Ein einmaliges Angebot
Malar

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03.11.2018 17:42 Forum: Postingpartnersuche

Malar sucht eigentlich einen weniger auffälligen Leibwächter, ursprünglich wollte er den Hexer kaufen. Der Arenaleiter ist aber ein sturer Maulwurf und lässt sich schon seit geraumer Zeit nicht runterhandeln. Da flattert ihm dieses Flugblatt ins Haus und er liest es aufmerksam.

Was wohl dahinter steckt, dass ein solch exotisches Wesen zur Versteigerung angeboten wird? Die Fähigkeiten klingen vielversprechend, aber versprechen können die alle viel. Es könnte jedenfalls nicht schaden sich die Sache mal anzusehen...

Wann und wo? großes Grinsen

Ich finde Rosalind auch sehr interessant geschrieben. Ehrlich gesagt hatte ich schon auf ein Play spekuliert als ich den Stecki gelesen habe, wollte dann aber erstmal abwarten was du mit ihr vorhast. Es möchte ja nicht gleich jeder in der Sklaverei enden, da gibt's nicht viele Aufstiegsmöglichkeiten *g* Aber unter diesen Umständen würde es mich freuen nice

Thema: Der ungeladene Gast
Malar

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28.10.2018 00:22 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Bissige Kommentare waren für gewöhnlich etwas, was oft und gern und zu jeder Gelegenheit über die Lippen des Hausherrn kam. Aber jetzt im Moment war er selbst dazu zu überrascht. Abgesehen davon, dass es seine Position sicher nicht gefestigt hätte den Kleriker weiter zu reizen. Immerhin hatte er ihm schon ein halbes Zugeständnis abgerungen, denn Malar stand immer noch hier in seinem Haus und redete, anstatt sich bereits auf dem Weg in die Katakomben unter dem Tempel zu befinden. Es musste also zumindest leise Zweifel geben. Andererseits musste auch irgendeinen erhärtender Beweis für den Verdacht vorliegen. Denn auch wenn man ein Kleriker und stinkwütend war, drang man nicht einfach so in das Haus eines Priesters der Siebzig ein und beschuldigte ihn ungeheuerlicher Verbrechen, wenn man überhaupt nichts in der Hand hatte. Hier gedachte Malar anzusetzen, denn wenn er erst wusste welche Beweise gegen ihn vorlagen, konnte man sie möglicherweise auch entkräften. Schliesslich konnten sie nur fingiert sein, denn er hatte definitiv nichts mit der Sache zu tun. Dorald war jedoch nicht verpflichtet sie ihm vorzulegen, es genügte wenn er sie besass. Also musste er wohl - oder übel - seinen Ärger hinunter schlucken und versöhnlichere Töne anschlagen, damit er sie überhaupt zu Gesicht bekam.

Ja, es war schon allerhand, einem Kleriker Orvens gegenüber zu behaupten er stelle die falschen Fragen. Aber so in Rage wie Dorald anscheinend war, schien er das Offensichtliche nicht zu sehen. Und auch wenn er aufbrauste und eine Menge Gründe nannte, warum in Blackheart Leute auch ohne besonderen Anlass verschwanden, brachte ihn die Provokation doch zumindest dazu, sich mit Malars Worten auseinander zu setzen.

"Ihr wisst aber sicher auch, dass es in unserer schönen Heimat üblich ist, sich unliebsamer Konkurrenz durch das Spinnen von Intrigen zu entledigen, nicht wahr?" merkte der Rotgewandete an und warf gerade sämtliche Kunst der hohen Diplomatie in die Waagschale, die er in seinem fast 500 Zyklen währenden Leben erschlossen hatte. Vielleicht gelang es ihm ja mit etwas Glück, den Tunnelblick seines aufgebrachten Schwagers zu weiten. Steter Tropfen höhlte schliesslich den Stein, so sagte man. Auch wenn der Kleriker im nächsten Moment wieder alle Einwände vom Tisch wischte und der Priester sich zusammen nehmen musste, um sich nicht einen Laut des Unmuts entlocken zu lassen. Dieser verbohrte, halsstarrige Sohn eins Felsbrockens! So war er früher schon gewesen. Immer stur geradeaus, nur nicht einmal nach rechts und links sehen, es bestand die Gefahr dass sich der Horizont erweitern könnte. Vermutlich hatte es Munari deswegen nicht mit ihm ausgehalten, und vermutlich hatte er sich ihrer deshalb entledigt. Es war jedoch nicht der Zeitpunkt seinem Schwager dies unter die Nase zu reiben, also lächelte Malar nur säuerlich und liess das Hauspersonal antraben, um dem spontanen Gast, der sich nebst Gefolge selbst eingeladen hatte, ein Zimmer und eine Mahlzeit zu richten.

Letzeres wurde abgelehnt, was für Malar bedeutete sich vorerst noch nicht in einen bequemen Sessel sinken lassen zu dürfen. Aber noch war ja nicht aller Tage Abend. Er glaubte kaum, dass Dorald vorhatte die ganze Nacht in der Empfangshalle auszuharren. Zumal des Rätsels Lösung sicher nicht in ein paar Stunden zu finden war. Wer immer den Kleriker auf ihn angesetzt hatte, hatte sicher auch dafür gesorgt, dass sich das Missverständnis nicht mit ein paar wohlgesetzten Worten aus der Welt schaffen liess. "Nun... schade." Malar neigte bedauernd den Kopf. "Dabei gibt es ein wirklich vorzügliches Schnappechsen-Ragout, ich kann es nur empfehlen. Darf ich Euch stattdessen zu einem Becher heissen Wurzelbiers einladen?" Eine Hand löste sich von dem Stock und deutete mit eleganter Geste in Richtung des Arbeitszimmers, in dem er bis eben noch gesessen hatte. Natürlich hatte er nicht vor dieses Gespräch im Empfangsraum weiter zu führen, wo die Wände Ohren hatten. Schliesslich konnte jeder hinter dieser Sache stecken und seine Spione überall haben. Das sah hoffentlich auch Dorald so und interpretierte die Einladung richtig. Zur Verdeutlichung seiner Absicht warf ihm der Silberhaarige einen dezent, aber unmissverständlich auffordernden Blick zu.

"Ich nehme an, Ihr habt Eure Gründe mich zu verdächtigen. Wegen eines alten Grolls kommt Ihr sicher nicht in mein Haus und tretet mir die Türe ein, nicht wahr?" Ja nun, irgendwo musste er anfangen mit dem was Dorald von ihm erwartete. Was erwartete er überhaupt? Dass er sich Hut und Mantel griff und auf's Geratewohl irgendwohin losstürmte? Diese Strategie wäre wohl kaum von Erfolg gekrönt. "Wie wäre es denn, wenn Ihr mir zunächst erläutert was Euch auf den Gedanken gebracht hat", schlug er vor. "Denn ich bin doch sicher nicht der Einzige in ganz Blackheart, der... möglicherweise... einen Grund hätte Euch zu schaden?"

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Malar

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22.10.2018 12:22 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Malar spürte, dass er rein metaphorisch auf hauchdünnem Glas tanzte. In der Gerichtsbarkeit der Dunkelelben gab es so etwas wie eine Unschuldsvermutung nicht. Schuldig war, wer angeschuldigt wurde. Es sei denn, dem armen Tropf gelang es zu beweisen dass die Vorwürfe unzutreffend waren. Wieviele Unschuldige schon im Kerker verschmachtet oder auf sonstige Weise in den Katakomben Blackhearts verschwunden waren, konnte niemand genau sagen. In Malars Fall wog die Anklage sogar besonders schwer, da es ein Kleriker war der ihn beschuldigte. Sogar höchstpersönlich. Der Priester kochte innerlich, aber er war kein Dummkopf. Er wusste dass er seinen Kopf jetzt nur aus der Schlinge ziehen konnte indem er Diplomatie und Fingerspitzengefühl walten liess - und vor allem einen kühlen Kopf bewahrte. Wüten und Zürnen würde nicht helfen, sondern ihn allenfalls noch schuldiger erscheinen lassen. Oh, wenn er denjenigen erwischte, der ihm dieses Ei ins Nest gelegt hatte...

Zunächst einmal malte sich jedoch eine Überraschung auf den Zügen des Priesters, die kaum gespielt sein konnte. Zumal Malar Beradren für alles Mögliche bekannt war, aber sicher nicht für sein komödiantisches Talent. Das Leben hatte auch bei ihm seine Spuren hinterlassen, und es kam nur noch selten vor dass er überhaupt eine Miene verzog. Meist war sein Gesicht so unbewegt und starr wie der Stock, der sein ständiger Begleiter war. Der silberhaarige Elb atmete tief durch und betrachtete sein Gegenüber nun ruhig und nachdenklich - man konnte sogar fast meinen, so etwas wie Anteilnahme in den rubinfarbenen Augen schimmern zu sehen. Malar wusste wie sich Verlust anfühlte. Der Schmerz unter der schäumenden Wut des Klerikers war deutlich zu spüren.

"Geschenkt", schüttelte er den Kopf und lehnte sich auf seinem Stock nach vorn, um das schmerzende Bein zu entlasten. Er konnte um diese Tageszeit nicht mehr lange stehen, aber die Situation erlaubte kaum eine Bitte sich setzen zu dürfen. "Natürlich braucht Ihr dazu meine Erlaubnis nicht." Das wusste Dorald so gut wie er selbst. "Und auch wenn ich es Euch nachtrage dass Ihr Euch so schnell getröstet habt, betrachte ich das als mein Problem, nicht Eures. Munari ist tot. Nichts auf der Welt kann sie zurück bringen." Natürlich hatte er ihren früheren Ehemann nach über einem Jahrhundert immer noch im Verdacht, etwas mit ihrem Tod zu tun gehabt zu haben. Echte Unglücksfälle geschahen in Blackheart schliesslich viel seltener, als dass jemand beim Sterben nachhalf. Aber er musste auch zugeben, dass er ihm in all den Jahren nichts hatte nachweisen können. Inzwischen war sich seiner Sache selbst nicht mehr sicher, aber den Groll hielt er dennoch aufrecht. Was hätte er auch sonst tun sollen? Trauer war etwas für Schwächlinge, und eine Schwäche konnte er sich nicht leisten.

"Ihr stellt die falsche Frage, Dorald." Die Stimme des Priesters klang nicht mehr angriffslustig oder sarkastisch. Im Gegenteil sogar sehr ruhig und überlegt. "Die richtige Frage müsste lauten: Wer profitiert von der Entführung Eurer Frau? Wenn Ihr genauer darüber nachdenkt, werdet Ihr feststellen dass ich es nicht bin." Das konnte man selbstredend so und so sehen. In materieller Hinsicht hatte Malar ganz sicher recht. Seine Familie war mächtig und verfügte über genügend Ressourcen, um sich nicht durch Schurkenstreiche ein Zubrot verdienen zu müssen. Allein der Gedanke war absurd. Persönliche Gründe waren jedoch ein anderes Thema, und da konnte sich durchaus ein Motiv konstruieren lassen. Andererseits lag der Tod von Malars Zwillingssschwester lange zurück, und Dorald war schon eine ganze Weile neu verheiratet. Es gab keinen nachvollziehbaren Grund, warum der Bruder seiner verstorbenen Frau ausgerechnet jetzt auf eine solche Idee kommen sollte?

"In der Tat, das beabsichtige ich", nickte der Mann in der roten Robe bekräftigend und hob das Kinn, was entschlossener wirkte als es war. Malar hatte nämlich derzeit nicht den Schimmer einer Ahnung, wie ihm der Beweis seiner Unschuld gelingen sollte. Er verfügte ja nicht einmal über einen Anhaltspunkt, wer hinter dieser offensichtlichen Intrige gegen ihn stecken könnte. Aber immerhin gewann er auf diese Weise Zeit, die sich als wertvoll erweisen konnte. Zumindest war es möglich sie sinnvoller zu nutzen, wenn man sie nicht im Kerker oder auf einer Folterbank verbrachte.

Mit dem was dann kam, hatte der silberhaarige Priester allerdings sichtlich nicht gerechnet, weshalb ihm ein wenig die Kinnlade abwärts klappte. Wirklich? Allen Ernstes wollte sich der Kleriker samt Gefolge bei ihm einquartieren? Na schön... Die Überraschung dauerte nur einen Wimpernschlag, dann hatte sich der Hausherr wieder in der Gewalt und stiess mit beherrschter Miene dreimal den Stock auf den schwarzen Marmorboden, sodass es weithin durch die Gänge hallte. Sofort eilten Bedienstete herbei und erwarteten beflissen ihre Anweisungen. "Wir haben Gäste", verkündete Malar und neigte den Kopf in Richtung des Klerikers und seiner beiden Leibwächter. Letztere schien er ein wenig zähneknirschend zu betrachten, liess sich aber sonst nichts weiter anmerken. "Richtet die Zimmer im Südflügel her, die mit der Verbindungstür. Ich wünsche dass Seine Exzellenz allen Komfort geniesst, und ich mache jeden von euch persönlich verantwortlich wenn Beschwerden kommen. An die Arbeit!" Mit leicht sauertöpfischer Miene blickte er den Sklaven hinterher, die davon wuselten wie die Höhlenameisen auf der Flucht.

Malar hatte sich nicht lumpen lassen. Die Zimmer im Südflügel waren die besten auf ganz Shanaal Rothe und hohen Gästen vorbehalten. Sie boten einen atemberaubenden Blick über die Stadt und verfügten zudem über ein eigenes Bad. Der Hausherr wandte sich indes wieder Dorald zu und lächelte gewinnend. Er gedachte dem Ruf seines Hauses als Gastgeber gerecht zu werden, selbst dann wenn er dazu genötigt wurde. "Habt Ihr denn bereits zu Abend gespeist, oder darf ich Euch ein Mahl anbieten?" fragte er in liebenswürdigstem Tonfall. Hoffentlich liess sich dieser Cretin darauf ein, damit er sich endlich hinsetzen konnte.

Thema: Shallows Earth, Essen und Trinken
Malar

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21.10.2018 15:19 Forum: Spielerhintergründe

Oh wie schön! Danke für den Thread, ich schreibe schnell mal alles auf bevor ich es wieder vergessen habe Augenzwinkern


Pilzbrot
Ein dunkles, nahrhaftes Brot, was aus dem Mehl getrockneter Pilze gebacken wird (ähnelt Roggenbrot)


Höhlenkäse
gewonnen aus einer milchigen Flüssigkeit, die man aus einer bestimmten Sorte Moos pressen kann. Schimmert leicht grünlich und ähnelt von der Konsistenz her Tofu. Garantiert vegan! cool


Wurzelbier
Ein süffiges Gebräu aus Wurzeln und einer Moossorte die zum Gären verwendet wird. Kann sowohl kalt als auch heiss getrunken werden und enthält mäßig Alkohol.


Ra'shok
Ein scharfer Schnaps aus Pilzen, wird bei den Dunkelelben zu besonderen Anlässen getrunken.


Pilzwein
sortenreich von trocken bis süss, je nach verwendeter Pilzart und Zusätzen.

Thema: Der ungeladene Gast
Malar

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07.10.2018 21:44 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

"Hmpf..." Der Rotgewandete brummte leise auf die Frage hin, die lediglich rhetorischer Natur war. Jede Antwort, ob ehrlich oder nicht, hätte nur dazu beigetragen den Kleriker noch weiter gegen sich aufzubringen. Vorsicht war angebracht. Malar Beradren hielt seinen Schwager zwar für einen Hundsfott und Schwestermörder, aber das machte ihn nicht weniger gefährlich. Kraft seines Amtes konnte Dorald ihn mit Leichtigkeit in irgendwelchen Katakomben verschwinden lassen, wo kein Hahn mehr nach ihm krähen würde. Weder seine gesellschaftliche Stellung, noch sein Rang als Priester der Siebzig schützten ihn davor. Aus diesem Grund war ihm vorrangig daran gelegen, das Missverständnis - denn um ein Solches konnte es sich nur handeln - aus der Welt zu schaffen.

Dummerweise jedoch schien nichts von dem was er sagte den Tod'a'gog zu überzeugen. Verfemt bis ins siebzehnte Glied sollte dieser Sturschädel sein! Wie kam der Kerl nur darauf, mir nichts dir nichts in sein Haus einzudringen und ihn irgendeines Verbrechens zu beschuldigen, mit dem er nichts zu schaffen hatte? Malar atmete tief durch und versuchte eine entspannte Haltung einzunehmen, was gar nicht so einfach war, wenn man nur ein Bein und einen Stock zur Verfügung hatte. Immerhin - noch redete Dorald, und hatte ihn nicht längst ergreifen und aus dem Haus zerren lassen. Was darauf schliessen liess, dass er sich seiner Sache vielleicht doch nicht so sicher war. Möglicherweise gab es doch noch eine Chance, mittels vernünftiger Argumente die haltlosen Anschuldigungen zu entkräften. Zorn und Sarkasmus hatten ihre Wirkung jedenfalls bisher verfehlt. Wenn er doch nur endlich mit der Sprache herausrücken würde, bei Orven!

"Wie praktisch", konnte sich der Priester eine bissige Bemerkung nicht verkneifen, als ihm beschieden wurde nichts gestehen zu müssen, da seine Schuld bereits erwiesen war. Er öffnete gerade den Mund um geharnischt nachzulegen, als da doch noch etwas kam, womit er nicht gerechnet hatte. Malar klappte den Mund erst einmal wieder zu und starrte den Kleriker ungläubig an. Es vergingen einige Sekunden, in denen man die Holzscheite im Kamin leise knacken hören konnte. Ansonsten war die Stille im Raum mit dem Messer in hauchdünne Scheiben zu schneiden. Schliesslich räusperte sich der Silberhaarige. "Eure... Frau? Die Köchin?" vergewisserte er sich. Wie hiess sie noch - Saverijn? Sie besass ein Speiselokal in der Stadt, in dem auch Malar bereits zu Gast gewesen war. Aus purer Provokation verstand sich, und natürlich nicht ohne sich über das - zugegeben vorzügliche - Essen zu beschweren. Noch ärgerlicher aber war die Tatsache, dass die Wirtin eine durchaus freundliche und zuvorkommende Person war. Denn wie gern hätte Malar Beradren seinem liebstgehassten Schwager eine giftspritzende Megäre an den Hals gewünscht. Nun gut, aber... sie war verschwunden? Entführt? Und ausgerechnet bei ihm sollte sie gewesen sein?

So absurd das alles auch war - es sah schlecht für ihn aus. Irgendjemand schien da etwas sehr geschickt eingefädelt zu haben. Wer glaubte schon dem Mann, der einem seit vielen Jahren den Tod der ersten Ehefrau nachtrug, wenn der versicherte nichts mit dem Verschwinden der zweiten Ehefrau zu tun zu haben? In gewisser Weise konnte Malar seinen Schwager sogar verstehen. Hätte er denn an dessen Stelle anders gehandelt? Die Antwort darauf konnte nur Nein lauten. Verdammt, was sollte er sagen? Noch einmal seine Unschuld beteuern? Das würde wahrscheinlich ebensowenig einen Effekt haben wie die Male zuvor. Dorald war hier, und er wollte Blut sehen. Das sagte ihm der flammende Blick und die Drohung unmissverständlich. "Ich weiss, es spricht Vieles gegen mich, und Ihr habt keinen Grund mir zu glauben", nickte er langsam. "Aber vielleicht... erhalte ich die Chance meine Unschuld zu beweisen, bevor Ihr mich ausweidet oder was auch immer Ihr vorhabt? Denn selbst wenn ich wüsste wo sich Euer Eheweib befindet, könnte ich es tot nicht mehr verraten. Nicht wahr?"

Es war ein kühnes Spiel, was Malar hier trieb. Ein Spiel mit dem Feuer. Denn indirekt hatte er gerade in Aussicht gestellt, vielleicht doch etwas über den Verbleib Saverijns zu wissen. Und er konnte nur darauf hoffen, dass Schmerz und Zorn den Verstand seines Schwagers noch nicht ganz umnebelt hatten und er die Logik dahinter durchschaute.

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03.10.2018 06:56 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

In der Tat hatte Malar seinen Schwager - oder sagte man Ehemaliger Schwager, wenn die Schwester bereits verblichen war? - schon seit langen Jahren nicht mehr in seinem Haus begrüsst. Einzig im Tempelviertel lief man sich hin und wieder über den Weg, wechselte aber nur ein Minimum an höflich geziemenden Beleidigungen. Seit Dorald neu geheiratet hatte, kaum dass Munaris Körper erkaltet war, waren sie geschiedene Leute. Oh, er hatte den Tod seiner Schwester noch immer nicht verwunden, und noch immer hielt er eisern an einer Beteiligung ihres Ehemannes fest. Aber in all den Jahren war es ihm nicht gelungen den entscheidenden Beweis zu führen und die Blutfehde gegen das ohnehin dezimierte Haus Tod'a'gog für eröffnet zu erklären. Nicht dass Malar das im Grunde seines Herzens wirklich wollte. Er verabscheute Gewalt, mehr als er sich selbst eingestehen wollte. Aber er hielt es für seine Pflicht. Präziser noch: Es war seine Pflicht. Jeder würde ihn sonst für schwach halten, und ein schwacher Dunkelelb konnte einpacken.

Was allerdings nicht hiess, dass er in letzter Zeit irgendetwas gegen Dorald oder die Tod'a'gogs ausgeheckt hatte. Seit Jahrzehnten herrschte ein gewisser Status Quo, es gab keine neuen Erkenntnisse und keinen Grund etwas an der still dahin schwelenden Feindschaft zu ändern. Der silberhaarige Priester liess seinen Blick auf dem Gesicht seines Kontrahenten verweilen, dessen Ausdruck zu allem entschlossen wirkte. In den dunklen Augen loderte Zorn, während Malars eigenes Antlitz eine gewisse Ratlosigkeit spiegelte. Er ging im Geiste sein Sündenregister durch. Nicht dass es dort nicht ein paar Schandflecke zu bewundern gab, aber etwas was das hier rechtfertigte? Nein. Hatte Floona etwas angestellt? Sein Eheweib war gehässig und rachsüchtig, zu gemeinen Anschlägen in der Lage, die nicht einer gewissen tödlichen Raffinesse entbehrten, aber meist richtete sich ihre Unzufriedenheit gegen ihn oder ihr nächstes Umfeld. Sie besass weder die Kaltblütigkeit, noch die Intelligenz und Weitsicht etwas zu planen, was die Kleriker Blackhearts auf den Plan hätte rufen können. Indes, der Blick des Älteren, der allein auf ihm ruhte und ihn mit unbändigem Hass verfolgte - das war nicht der Blick eines Mannes, der nur seine Arbeit tat. Die Sache war also persönlich.

Der rotgewandete Priester wurde vorsichtig. Soviel Grund zu gerechtem Zorn er auch haben mochte, so gern er dem Unverschämten für sein Eindringen einen Feuerball auf den Pelz gebrannt hätte - es war unklug einen Bluthund zu reizen, dessen Zähne man bereits an der Kehle spürte. Malar neigte den Kopf leicht zur Seite und lauschte erst einmal, während er sich nach vorn auf den Stock lehnte. Nein, seine Gewänder waren nicht so geschnitten dass man über die Säume stolperte, das wäre albern gewesen. Sowie auch überaus kontraproduktiv. Dass er sie nicht aus reinem Modebewusstsein trug, ging niemanden etwas an. Sollte man ihn doch für einen Gecken halten, solange man ihn nicht für einen Krüppel hielt. Und das tat Dorald nicht, sonst hätte er sich diese Schwäche längst zunutze gemacht. Malar registrierte das mit einer gewissen Beruhigung. Was allerdings nicht hiess, dass die Situation so bleiben musste. Ein wenig Beschwichtigungspolitik konnte also nicht schaden. Der Silberhaarige atmete tief durch und stellte sich vor seinem geistigen Auge ein langsam herunterbrennendes Kaminfeuer vor. Das half meistens den Zorn unter Kontrolle zu bekommen.

"Nun, wie Ihr seht ist dem nicht so", entgegnete er mit erzwungener Ruhe und in fast schon liebenswürdigem Tonfall. "Die einzig grenzdebile Person, die Ihr hier finden werdet, ist sicher nicht die nach der Ihr sucht. Also geht das etwas genauer, wenn es keine Umstände macht? Vielleicht verratet Ihr mir bei der Gelegenheit auch gleich, welch dummen Reinwürgens ich beschuldigt werde. Ich habe nämlich keine Ahnung wovon Ihr sprecht." Die eben noch wütend aufeinander mahlenden Kiefer entspannten sich. Nicht dass die Wachen am Tor nicht ersetzbar gewesen wären. Aber es war doch ein Akt des Respekts, sie nicht gleich zu töten. Sklaven waren teuer. Eine bissige Bemerkung über den mangelhaften Stil beim Aufbrechen der kunstvoll geschnitzten Eingangstür verkniff Malar sich klugerweise. Es war im Grunde Kindergezänk. Scheinbar locker auf seinen Stock gelehnt - der ein Modeaccessoire sein konnte oder auch nicht - folgte er dem herumtigernden Kleriker mit dem Blick. Solange Dorald nicht in seine Nähe kam, bestand keine Gefahr und er durfte seine überlegene Position behalten. Er sollte nur darauf achten, nicht zu überlegen zu wirken.

"Tja, es tut mir ernsthaft leid Eure Geduld derart zu strapazieren, werter Schwager." Tat es nicht. Malar wusste das, und Dorald wusste das. Es war nur eine Floskel. Schliesslich war der Kleriker in sein Haus eingefallen um ihn mit abstrusen Vorwürfen zu überhäufen, nicht umgekehrt. Und wäre sich der Priester nicht seiner Stellung und der des Anderen bewusst gewesen, er hätte Gift und Galle ausgekübelt. "Tatsächlich habe ich an diesen Waffenstillstand auch geglaubt. Bis... nun ja... eben." Die kleine Spitze gestattete er sich dennoch. Die flammendroten Augen glühten im Schein des Kaminfeuers, während sie dem durchbohrenden Blick der dunklen trotzig standhielten. "WAS, bei Orvens ewiger Nacht, soll ich mit wem angestellt haben? Ihr sprecht in verfluchten Rätseln, Dorald! Wenn Ihr nicht Klartext redet, werde ich kaum etwas gestehen können, nicht wahr?" Eine zwingende Logik, mit der er hoffte seinem Kontrahenten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Sofern der nicht bereits allzu fest entschlossen war irgendwen auf's Rad zu flechten. Wenn es um Rache ging, nahm man es in Blackheart mit Schuld und Unschuld nicht so genau. Hauptsache ein Kopf rollte. Malar hatte selbstredend ein vitales Interesse daran, dass dies nicht seiner war.

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30.09.2018 09:32 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Strammen Schrittes, unaufhaltsam, näherte sich das Verderben den düsteren Toren von Shanaal Rothe. Allein die Bewohner des Hauses, die Wachen, Bediensteten und Sklaven, ja selbst die Herrschaften ahnten nichts davon. Sie lagen in ihren Betten, gingen ihren Vergnügungen und Beschäftigungen nach oder arbeiteten noch, so wie es der Hausherr tat, der dafür bekannt war stets der Letzte zu sein der schlafen ging. Noch niemals hatten die Kleriker den Beradrens einen offiziellen Besuch abgestattet. Malar war ein Priester der 70 Anhänger Orvens und Spross eines einflussreichen Hauses, welches bereits zur Aristokratie gehört hatte als dieser Stand noch etwas bedeutete. Man überlegte es sich zweimal, das Haus Beradren irgendeiner Tat zu bezichtigen für die man keine eindeutigen Beweise hatte. Und wenn doch etwas vorlag, sorgten Geld und Verbindungen dafür, dass die Anschuldigungen schnell wieder vom Tisch verschwanden.

Das Haus war hell erleuchtet, sodass man die blutroten Scheiben der Mosaikfenster, die dem Anwesen seinen Namen verliehen, bereits von Weitem sehen konnte. Es war fürwahr ein prächtiges Bauwerk mit Zinnen, Erkern und Türmen, die hochauf in die ewige Nacht Blackhavens ragten. Lichtkristalle und Kaminfeuer, sowie Unmengen von Kerzen sorgten in seinem Inneren für warmen, goldenen Schein, der sich in schwarzem und rotem Marmor spiegelte, und schwere Möbel aus nachtschwarzem Holz mit seinem Glanz übergoss. Mitten in die ehrwürdige Stille hinein drang jedoch plötzlich hässliches Knirschen und Knacken. Das Eingangsportal wurde mit Wucht aufgestoßen und Männer stürmten herein, enterten die Empfangshalle und brachten sich vor den Treppenaufgängen in Position. Ein Luftzug fegte durch das Haus und liess die Feuer in den Kaminen auflodern und Kerzenflammen sich neigen. Wo waren die Wachen?

Malar hatte bereits bei den ersten Geräuschen den Kopf gehoben und griff nun alarmiert nach seinem Gehstock, um sich so schnell wie möglich aus dem bequemen Sessel zu erheben. Dummerweise war "so schnell wie möglich" nicht so schnell wie er gern gehabt hätte. Das müde, schmerzende Bein war der Ansicht seinen Dienst für heute schon erfüllt zu haben, und so dauerte es eine Weile bis er endlich auf seinen zwei Füssen stand. Viel zu lange für Malars Geschmack, was ihn dazu verleitete dem unwilligen Bein einen Schlag mit dem Stock zu verpassen. Das half manchmal - zumindest gegen den Frust.

Malar Beradren. Ich weiß, dass Ihr hier drinnen seid!

Er kannte die Stimme, die klar vernehmlich durch das Haus hallte und bis in jeden Winkel vordrang. Dorald! Was in Orvens Namen hatte der mutmaßliche Mörder seiner Schwester hier zu suchen...? Der Boden unter ihm begann zu vibrieren, was die Fortbewegung nicht einfacher machte. Einen lästerlichen Fluch auf den Lippen zerbeißend beeilte sich Malar zur Tür zu kommen und hinaus in die grosse Halle zu treten, in der gewöhnlich Besucher empfangen wurden und Bankette stattfanden. Ruhig, gemahnte er sich und versuchte tief durchzuatmen. Da stand er. Dorald. Mit flammendem Blick, die Faust erhoben und ein siegesgewisses Grinsen im Gesicht. Oh, wie gern wäre Malar auf ihn zugestürmt, hätte ihn am Kragen gepackt und ihn gefragt was der Auftritt hier sollte. Wunsch und Wirklichkeit waren jedoch zwei Paar Schuhe, wenn man ohne einen Stock keine fünf Schritte weit kam.

Also bemühte sich der Hausherr um eine aufrechte Haltung und strich seine lange, scharlachrote Robe glatt, in deren Säume und Aufschläge goldene Stickereien gewirkt waren. Das lange Haar fiel in offenen Kaskaden wie ein silberglänzender Wasserfall über Schultern und Rücken. Immer noch war der hochgewachsene Priester eine beeindruckende Erscheinung, und genau das war auch beabsichtigt. Den Gehstock mit dem silbernen Knauf plazierte er vor sich und legte locker die Hände darauf. Jedenfalls wirkte es so als täte er das.

"Natürlich bin ich hier, wo sollte ich um diese Zeit wohl sonst sein?" Ein Knurren in der Stimme verriet mehr als deutlich das Missfallen des Priesters. Die rubinfarbenen Augen waren so pfeilgerade auf Dorald gerichtet, als wollte ihr Blick aus dessen Rücken wieder heraus ragen. Was mit den Wachen am Tor passiert war und warum sie nicht eingriffen, konnte sich Malar inzwischen denken. Mit hoher Wahrscheinlichkeit lebten sie nicht mehr. "Eine Erklärung verlangt Ihr, Dorald Tod'a'gog? Hat es Orven gefallen Euren Geist zu umnachten? Ich hoffe, Ihr könnt mir eine verflucht gute Erklärung liefern, warum Ihr meine Wachen niedermetzelt, meine Tür zertrümmert und ohne Anmeldung mit Euren Schergen in meinem Haus steht!" Mit einer anklagenden Geste deutete er auf das Chaos in seiner Empfangshalle. Es war unschwer an der Miene des Rotgewandeten abzulesen, dass der Zorn und die Empörung echt waren. Malar Beradren wusste anscheinend wirklich nicht, wie ihm gerade geschah.

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Der ungeladene Gast 28.09.2018 22:48 Forum: Shanaal Rothe - Der Hauptwohnsitz von Malar Beradren

Es war still im Haus. Das Abendessen war bereits vorbei, die Küche aufgeräumt, und die Bediensteten hatten sich bis auf wenige Ausnahmen in ihre Quartiere zurück gezogen. Zu den Ausnahmen zählten die Wachen am Tor, die dort immer standen und aufpassten dass kein Gesindel ins Haus gelangte, sowie die Leibdiener und Kammerzofen, die für das persönliche Wohl der Herrschaften zuständig waren. Diese begaben sich erst zu Bett, wenn ihre Dienstherren und -herrinnen sie nicht mehr benötigten.

Malar Beradren sass in seinem Arbeitszimmer im Erdgeschoss des Hauses und kümmerte sich um den unbeliebten Kleinkram, der sich hauptsächlich aus Rechnungen, dem Sichten von Einnahmen und Ausgaben, sowie alltäglicher Korrespondenz zusammensetzte. Viele Häuser hatten dafür einen Verwalter, was allerdings nach Malars Dafürhalten oft der Grund für finanzielle Schwierigkeiten war. Es war eine alte Weisheit, dass kein Fremder eine Arbeit so erledigte wie man es selbst tun würde. Deshalb gab der Hausherr diese Dinge ungern aus der Hand. Ausserdem wusste er so genauestens Bescheid was seine Ehegattin so trieb. Ein freizügiges neues Gewand hatte sie sich also anfertigen lassen, was sie garantiert nicht gedachte im Ehebett zu tragen, sowie ein sündhaft teures Parfüm bestellt. Interessant. Wer wohl diesmal derjenige war, den sie gedachte mit ihrer Gunst im Bett zu beschenken?

Malar tolerierte schon seit Jahrzehnten was sie mehr oder weniger offen unter seinen Augen trieb. Sie tat es nicht etwa um ihn eifersüchtig zu machen, dann hätte er sich vielleicht sogar geschmeichelt gefühlt. Floona tat es um sich zu rächen. So wie sie viele Dinge tat, um sich an ihm zu rächen. Rache für die Schmach, die er ihr vor vielen Jahren in einer schwachen Stunde angetan hatte. Eigentlich, so konnte man meinen, war die Schuld längst abgebüßt. Aber mit den Jahren war aus Rache Selbstzweck geworden. Malar wusste nicht einmal genau, ob er Floona deshalb grollen oder Mitleid mit ihr haben sollte. Denn das, wonach sie sich am meisten sehnte, bekam sie von ihren jungen Liebhabern nicht. Vielleicht war es dagegen seine Art von Rache ihr genau das vorzuenthalten. Nämlich eine Bitte um Verzeihung.

Sein Bein schmerzte. Es schmerzte immer wenn es ruhig im Hause wurde und die Geschäfte des Tages ihn nicht mehr davon ablenkten. Auch eines von Floonas Andenken. Eine von vielen Narben, die diese Ehe hervorgebracht hatte. Der Gehstock mit dem silbernen Knauf lehnte seitlich neben ihm am Stuhl, damit er ihn immer griffbereit hatte. Er war sein ständiger Begleiter geworden, ebenso gebraucht wie gehasst, und in gewisser Weise war Malars Beziehung zu diesem Ding enger als zu irgendeiner Person in seinem Leben. Mit Ausnahme vielleicht von Carharis, seiner Leibsklavin und einem ganz besonderen Wesen. Er war gut zu ihr, behandelte sie sogar besser als er Floona jemals behandelt hatte. Aber auch sie liebte ihn nicht und war nicht aus freien Stücken bei ihm, sondern weil er sie durch ein Blutritual in Orvens Namen an sich gebunden hatte. Eines Tages würde auch sie rebellieren und ihn verlassen wollen. Ob er sie dann gehen lassen würde? Malar wusste es nicht.

Der Blick seiner rubinroten Augen glitt zu der Tasse Tee auf dem Schreibtisch, die er vergessen hatte anzurühren. Inzwischen war der Pilzsud abgekühlt und würde bitter schmecken. Kurz erwog er seinen Diener zu schicken und einen frischen bringen zu lassen. Dann jedoch entschied er sich anders und nahm die Tasse in die Hand, wobei er ein paar leise Worte in der kehligen Sprache der Dunkelelben an Orven richtete. Kurz darauf wallte die Flüssigkeit auf und dampfte wieder heiss und aromatisch. Manchmal schmeckte Tee sogar besser, wenn man ihn noch einmal aufgoss. Mit Besuch oder irgendeiner Störung rechnete der Priester mit dem langen silbernen Haar an diesem Abend nicht mehr. Deswegen lehnte er sich zurück und nahm einen langsamen Schluck.

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